Das Jubiläumsjahr 1998

Damals vor 20 Jahren
Das Jubiläumsjahr 1998
von Jürgen Loeschke Bürgermeister a.D.

Vor damals 750 Jahren wurde unsere Stadt erstmalig urkundlich erwähnt. Dieses Jubiläum wurde von unserer Bürgerschaft mit großem Enthusiasmus vorbereitet und mündete in einem unvergesslichen Fest der Lebensfreude, aber auch des Wiedersehens alter Freundschaften. Betrachten wir nun das Jahr in seinem Verlauf, um manches fast Vergessene wieder in Erinnerung zu bringen.

JANUAR 1998

Am 20. 01. finden erste Gespräche mit dem „Verkehrsverbund Oberelbe“ (VVO) wegen einer Bus-Bahn-Schnittstelle in Königsbrück statt, da der Zugverkehr nach Strassgräbchen am 23.05. eingestellt werden soll. Unsere Landrätin Andrea Fischer war die Initiatorin dieses sächsischen Pilotprojektes. 1999 ist es dann soweit!
Am gleichen Tage findet mit den Mietern der kommunalen Grundstücke Kamenzer Str. 42 und Großenhainer Str. 6 eine Aussprache bez. unserer Modernisierungsvorstellungen im bewohnten Zustand statt. Die Heizung soll modernisiert werden mit dem Einbau einer Gastherme im jeweiligen Dachgeschoss. Auch die Fenster werden erneuert, auf der Kamenzer Str. die Frontseite mit hinterlüfteten Schallschutzfenstern im Zuge der Ausfahrt der Ortsumgehung. Am 28.01. werden die Kaufvertragsentwürfe mit den Mietern der Wohnanlage Eichenweg 4-10 besprochen. Letztlich werden bis auf 5 WE alle Wohnungen an Mieter oder Investoren verkauft. Im Vorfeld wurde die Wohnanlage saniert.
Gespräche gab es für verschiedene Vorhaben, so bezüglich der weiteren Gestaltung des 2. Bauabschnittes der Ortsumgehung, Beratungen nach der Vergabe einer vom Freistaat finanzierten Machbarkeitsstudie für die Beräumung und Gestaltung des „Neuen Lagers“, aber auch Aussprachen über den ehemaligen Truppenübungsplatz und jetzigen NSG mit kontroversen Ansichten zwischen dem „ Verein zur Naturbewahrung“, der „Stiftung Wald für Sachsen“ und den BürgerInnen der Anliegergemeinden.
Auch Planungen im Abwasser-und Trinkwasserbereich u.a. im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen an der Ortsumgehung sind herrschende Themen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist natürlich die Vorbereitung unseres Stadtjubiläums im Juni.

FEBRUAR 1998

Am 02.02. wird im Rahmen einer Stadtratssitzung die seit 1992 verantwortliche Wehrleitung mit den Kameraden Ralph Messerschmidt und Lutz Schlotterbeck vom Stadtrat wieder bestätigt. Der Wehrleitung und allen Kameraden wird im Namen unserer BürgerInnen herzlich für ihre immerwährende Einsatzbereitschaft unter schwierigsten Bedingungen gedankt. Auch SportlerInnen werden für ihre Leistungen in verschiedenen Disziplinen geehrt.
Die bereits im Januar erwähnten Schwerpunktmaßnahmen sind Bestandteile vieler Gespräche mit entsprechenden Festlegungen auch mit notwendigen Beschlüssen des Stadtrates.
Am 05.02. erfolgt das Probespiel auf dem neuen Konzertflügel im Ratssaal. Dr. Peper spendierte eine moderne Sitzgelegenheit für unsere Klaviervirtuosen.
Auch erste Planungsgespräche bez. der Sanierungen der beiden Wohnimmobilien auf der Kamenzer und Großenhainer Str. finden mit dem Büro Neumann aus Kamenz statt.
Die Fa. Neißekies spricht immer wieder wegen der Übernahme der Gräfenhainer Steinbrüche vor, was von starkem Widerstand der Gräfenhainer begleitet wird, zumal wir uns um die Aufnahme in das sächsische „Dorferneuerungsprogramm“ bemühen. Es finden auch Beratungen bezüglich der Gestaltung der Bus-Bahn-Schnittstelle samt der Anzahl zu planender Parkplätze vor Ort an unserem Bahnhof statt.
Am 21./22.02. wurde ich von Dr. Bodo Rischke nach Peine zu einer Veranstaltung der „Zahnärztlichen Vereinigung“ eingeladen, um einen Vortrag über die Entwicklung unseres Gemeinwesens seit 1990 zu halten. Ich entsinne mich noch des spontanen Beifalls beim Zeigen des ehemals von der Sowjetarmee bewohnten Gebäudes auf der Höckendorfer Str.11 vor und nach der Komplettsanierung. Es war zu dieser Zeit für das gegenseitige Verständnis wichtig, auf diese Weise mit konkreten Beispielen unsere Entwicklung darzustellen und auch für die finanzielle Unterstützung zu danken.
Auch mit Professor Sitte spreche ich öfters über die Fördermöglichkeiten für sein Keramikprojekt im Hof der Sparkasse. Leider haben wir keinen repräsentativeren Standort gefunden.

MÄRZ 1998

Am 07.03. findet im Bernsdorfer Zollhaus nochmals eine große Beratung aller am Trinkwasser – Fernleitungsprojekt beteiligten Verbände mit Vertretern des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und des Regierungspräsidiums (RP) bez. des Ländervertrages zwischen Brandenburg und Sachsen statt, da wir nun unser Wasser aus dem brandenburgischen Tettau beziehen. Es geht auch um Liefermengen.
Mit der Fa. BEWET als Erschließungsträger unseres Gewerbegebietes gab es Unstimmigkeiten und so wurde im Stadtrat beschlossen alle Grundstücke wieder in städtisches Eigentum zurückzuführen, wobei wir rechtliche und steuerberatende Unterstützung erhielten. Allerdings mussten wir auch die für die Baumaßnahmen entstandenen Kreditvolumina in unseren Haushalt übernehmen. Leider konnten die Flächen bisher nur zu 50% veräußert werden. 12 Km bis zu den Autobahnen A4 und A13 über Bundesstraßen sind scheinbar für Firmen in der heutigen schnelllebigen Zeit zu viel. „Man möchte heute möglichst „direkt“ auf der Autobahn ansiedeln!?“
Inzwischen machen wir uns über die Sanierung der „Rappelkiste“ am Grenzweg Gedanken, die ihr 40-jähriges Bestehen in diesem Jahr feiert.
Auch die Mittelschule auf der Kamenzer Str. ist bez. der Förderung für die Sanierung beim Oberschulamt Bautzen angemeldet.

APRIL 1998

Der ASB beabsichtigt als Betreiber der Schlosseinrichtung im „Alten Lager“ und in Bernsdorf am Schmelzteich je ein Pflegeheim für ca. 60 SeniorInnen zu bauen, was auch tatsächlich zeitnah realisiert wurde. Der ASB bot uns an, unser Alten-und Pflegeheim an der Dresdner Str. im Vorfeld schon zu übernehmen. Unser Heim entsprach nicht den neuzeitlichen Vorschriften und ein Umbau (u.a. ein Fahrstuhl) wäre trotz Fördermittel für die Stadt nicht finanzierbar gewesen. Wie sich später herausstellte, war es eine gute Lösung, die allerdings letztlich mit einem „Einwohnerschwund“ verbunden war. Am 01.04.99 erfolgt dann die Übernahme unseres Heimes durch den ASB.
Vom 04.-07. April besucht uns Bürgermeister a.D. Horst Häfner mit seiner Partnerin. Er war von Weikersheim nach seiner Abwahl (nach 16 Jahren Amtszeit) nach Arensried in Bayern verzogen. Wir haben das sehr bedauert, denn er hat uns in den Anfangsjahren tatkräftig unterstützt und unserem Lars Mögel ein Verwaltungsstudium in Weikersheim ermöglicht. Auch Frau Kühne konnte in Weikersheim die Verwaltungsabläufe studieren. Die Verbindung entstand durch die auch von Heinz Geier initiierte Chorfreundschaft unseres Männerchors mit dem Weikersheimer Chor „Harmonie“. Leider sind mit dem Ausscheiden von Horst Häfner auch die Kontakte nicht mehr so intensiv. Zum 1. Jahrestag der deutschen Einheit am 03. Oktober 1991nahm unser Pfarrer Lothar Anys die Pegnitzer Brunnenpumpe auf unserem Markt in Betrieb und H. Häfner sprach die Worte: „Wasser ist Leben!“
Auch unsere Stadtfahne am Rathaus haben uns die Weikersheimer in zünftigen Hohenloher Trachten überreicht. 2010 ist H. Häfner in Wuppertal leider verstorben.
Am 17.04. werden die Notarverträge für die zukünftigen Eigentumswohnungen Eichenweg 4 – 10 bei Notarin Bürger in Kamenz unterschrieben.
Wir tragen uns auch mit den Gedanken, unser Stadtbad in einen Betrieb gewerblicher Art zu wandeln, womit wir zwar mehrwertsteuerpflichtig werden, aber dafür ca. 500TDM im Rahmen der Sanierung und Modernisierung gezahlter Mehrwertsteuer erstattet bekommen. Kein schlechtes Geschäft.

MAI 1998

Am 07. 05. wird in unserem Ortsteil Gräfenhain im Rahmen des sächsischen Dorferneuerungsprogramms des „Amtes für ländliche Neuordnung“ über ein Entwicklungskonzept beraten, welches z.B. die Sanierung der Dorfteiche, des Freizeitzentrums, die Sanierung von Stützmauern, Straßenbeleuchtung und die Sanierung des ehemaligen Gemeindeamtes enthielt. Später kommt noch die Trinkwasser-und Abwassererschließung mit den notwendigen Straßensanierungen hinzu.
Am 08.05. sind die Wohnungen am Eichenweg in das Eigentum der Käufer übergegangen. 5 WE bleiben im Besitz der Stadt. Am 26.05. wird die Eigentümergemeinschaft mit Unterstützung von J. Schmidt als Erfahrungsträger gegründet. An den städtischen Wohnhäusern Alte Poststraße 1+3 fallen noch rechtzeitig vor unserem Fest die Gerüste.
Am 13.05. gibt es wieder in Höckendorf eine Bürgerversammlung bez. der Abwassererschließung mit einer 4 km langen Druckleitung bis zum Laußnitzer Kanalnetz. Es bestehen natürlich Ängste bez. der zu erwartenden Kosten, aber letztlich konnten wir alles finanziell verträglich auf gesetzlicher Grundlage gestalten.
Am 23.05. fährt der letzte Zug nach Strassgräbchen, womit dann die Zugverbindung eingestellt wird. Die Gleise samt Grundstück verkauft die Bahn an die Roth AG. Die Gleise werden später demontiert – auch auf unserem Viadukt – und zu damaligen hohen Schrottpreisen verkauft. Im letzten Zug sitzen u.a. auch Werner Lindner und Familie Möckel. Auch der Posaunenchor war vor Ort. Nach fast genau 100 Jahren wurde diese Strecke eingestellt, womit weiterer LKW-Verkehr entstanden ist der u.a. heute die Autobahn nach Dresden permanent verstopft ist.

JUNI 1998
der Monat unseres großen Festes

Als „Geburtstagsgeschenk“ erhalten wir am 11.06. die Nachricht vom Oberschulamt Bautzen, dass unsere damalige Mittelschule in die Prioritätenliste des Freistaates aufgenommen worden ist. Unser dauerndes „Nerven“ hat geholfen.
Am Markt wird am Haus Nr. 12, der ehemaligen Sparkasse gewerkelt, was man am ungedeckten Dach unschwer erkennen kann. Ich glaube mich zu erinnern, dass man von da aus auch Feuerwerkskörper gestartet hat.

Nun aber zu unserem großen Jubelfest vom 24. - 28. Juni 1998.
Das Fest der Feste wurde über ein Jahr, eigentlich mit der Gründung des Heimatvereins vorbereitet. Letztlich mussten 35 Veranstaltungen geplant und durchgeführt werden, so die Gestaltung der Festbroschüre und der Plakate, der Wettbewerb zur Festplakette, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, Bühnenevents, Lasershow am Markt, Festveranstaltung für geladene Gäste im Rathaus, Sportlertreffen, Seniorennachmittag, Kindernachmittag auf dem Sportplatz, Rummelplatz im „Alten Lager“, Gottesdienst, Glockengeläut zum Festbeginn, Festzeltbetrieb, das 1. Hintergassenfest, der große historische Umzug und nicht zuletzt das Abschlussfeuerwerk. Nicht zu vergessen der Heimatabend mit Werner Lindner in der Renohalle, die aus allen Nähten platzte. Auch Besichtigungen standen auf dem Plan, so unser Flugphysiologisches Institut, die Kläranlage und das „Neue Lager“ mit Hubschrauberrundflug. Auch die Geschäfte der Innenstadt hatten ihre Schaufenster historisch ausgestaltet. So erinnerte am alten Standort in der Louisenstraße eine Ausstellung an das Geschäft von Schokoladen – Kaiser.
Ablauf des Festes:
Umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen, Gespräche, Beratungen, Aufgabenverteilungen, Finanzierungsfragen u.a. mussten monatelang durchgeführt werden, bis das Programm und alle Verantwortlichkeiten soweit geklärt waren, dass das Fest beginnen konnte. Dabei mussten auch „innerstädtische Befindlichkeiten“ diplomatisch austariert werden.
So war unser Hauptpartner einmal die Eventfirma Mediasax von Herrn Schorcht aus Kamenz und die Landskronbrauerei aus Görlitz. Im Laufe der Zeit engagierten sich fast alle Bürger für dieses seltene Jubiläum, was letztlich in der Vielzahl geschmückter Häuser zum Ausdruck kam. (Die Seniorin Frau Lehmann (+) stellte z.B. Fähnchengirlanden „in Serie“ her!) Der Festzeltbetrieb im Stadtbad und auf dem Markt musste organisiert werden, ohne dass sich jemand benachteiligt fühlte. Es wurden Ausstellungen organisiert, so die Gemälde von Dietmar Hommel im Rathaus, die von Ute Steckel und Erich Hämpel hauptsächlich gestaltete Ausstellung zur Stadtgeschichte, Fotoausstellung, Konzerte, so ein Chortreffen im Stadtbad, die NDW-Party im Stadtbad, Platzkonzerte auf dem Markt von unseren Aidlinger und Weikersheimer Gästen, die Kapelle Oberland, das Platzkonzert des Musikcorps des Grenzschutzpräsidiums Ost, Comedy-Show mit Böttcher & Fischer, die Eis am Stiel-Party im Stadtbad mit dem Überraschungsgast Eberhard Chors, der einen seiner letzten Auftritte hier in Königsbrück hatte und den Dr.Bodo Rischke (+2004) engagiert hatte. Es gab Vorträge über Naturschutz, den Heimatabend mit W. Lindner, die Aufführung des Messias in der Hauptkirche nach monatelangen Proben der LaiensängerInnen unter Leitung von Christoph Bachmann (+). Auch Hubschrauberrundflüge wurden im NL angeboten. Nicht zu vergessen ist die inhaltliche Gestaltung unserer Festbroschüre.
Eröffnet wurde das Fest mit der wie immer durch W. Lindner organisierten zünftigen Weihe des Schlossturms in Anwesenheit von Staatsminister Georg Milbradt und unseres Schirmherren Regierungspräsident Dr. Helmut Weidelener (+2017). Der ökumenische Kirchenchor gestaltete zusammen mit den Geschwistern Möckel, unserem Posaunenchor, dem Männerchor mit dem von Heinz Geier (+) komponierten Königsbrücker Lied, unter Moderation von Frau Peper den kulturellen Teil der Veranstaltung. Aber auch die Schützen meldeten sich „lautstark zu Wort“. Bei einbrechender Dunkelheit ging es auf dem Markt weiter mit einer tollen Lasershow, bei der die Markthäuser als „Leinwand“ dienten. Auch Prof. Milbradt ließ sich dieses Spektakel nicht entgehen und war voll des Lobes. (siehe Stadtanzeiger Nr.93/98 v. 01. Juli und Nr.94. v. 01. August 1998)
Wichtig war auch der Treff mit unseren Ehrengästen aus befreundeten Städten und Gemeinden (BM Thümmler+Stadtrat Fink/Pegnitz, BM Wagner/Kirn, BM Barth/Ostrach (+2008); BM Brandt/Elstra mit Gattinnen) im „Weißen Ross“ bei herrlichem Wetter im Freien. So konnte man sich kommunalpolitisch austauschen. Man war erstaunt über unsere städtebauliche Entwicklung in dieser kurzen Zeit.
Höhepunkt war dann am Sonntag der Festumzug durch die geschmückte Stadt. Herr Malczyk hat davon ein Video erstellt und Rainer Böhme ein Fotoalbum, welche von der Kreativität unserer Bürger bei der Gestaltung der Umzugsbilder zeugt. Gestellt wurde am Grenzweg oder auf der damaligen Barackenlagerstraße und so kam die Spitze des Umzuges mit den Stadträten und der Ehrenkutsche sowie den Wappen der Stadt und unserer Ortsteile den Baderberg hinunter. Viele tausend Schaulustige säumten die Straßen und spendeten Beifall. Das Röhrsdorfer Bild ist mir noch mit seinem „Qualm“ in Erinnerung, aber auch die Kutsche mit Napoleon „Büschlepp“, der sich lt. einem Schreiben von Fürst Metternich an Kaiser Franz von Österreich, am 25.06.1813 in Königsbrück aufgehalten hat. In unserer Ehrenkutsche saßen Frau Freda Naumann zu Königsbrück, Herr Ludwig, Frau Knoof und Herr Ermel. Einen besonders wichtigen Beitrag leistete unser Grafiker Erich Hämpel (+2016) mit seiner einmalig schönen und aussagekräftigen Titelseite für unsere Broschüre, aber auch mit den Panoramabildern des alten Königsbrück für die stadtgeschichtliche Ausstellung. Auch auf den Großplakaten war die Titelseite mit ihren 5 Türmen und der Baderbrücke das prägende Element. Danke Erich! Nicht vergessen wollen wir unseren Professor Rudolf Sitte (+2009), der im Hof der Sparkasse sich mit seinem eigenwillig dargestellten Königsbrücker Wappen aus brauner Keramik, die bei Frommholds gebrannt wurde, ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Sein Lebensmotto „Ein Leben für die Katz!“ war auf allen seinen Werken mit einem Kätzchen präsent. Die Westlausitzer Sparkasse förderte das Projekt mit 7000 DM. Bei Kaiserwetter war es ein gelungenes Fest, von dem noch heute viele Teilnehmer schwärmen. Werner Zschiesche (+1999) und Rainer Hauffe schilderten im Stadtanzeiger das Geschehen für unsere Nachwelt.

JULI 1998

Erstmals wird einer Garagengemeinschaft am Eichenweg das zugehörige Grundstück verkauft.
Ein Erschließungsvertrag bez. der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung wird mit der Fa. DEMUS vorbereitet. Die Pumpstation am Grenzweg war dafür Voraussetzung. Auch der 2. Bauabschnitt der Großnaundorfer Str. wird planerisch vorbereitet.
Um positive Synergieeffekte zu erzielen, ist die Zusammenlegung des städtischen Bauhofes mit den Hausmeistern unserer städtischen Einrichtungen in Vorbereitung. Immer wieder beschäftigt uns auch in diesem Jahr das Konstrukt der „Königsbrücker Heide“ bez. des Eigentümers „Stiftung Wald für Sachsen“ mit seinen Abriss- und Sanierungsaufgabe und dem „Verein zur Naturbewahrung der Westlausitz“ mit seinen naturschutzrechtlichen Aufgaben. Es kommt oft zu kontroversen Diskussionen, z.B. wegen Fledermausquartieren und sonstiger Störungen der Tier-und Pflanzenwelt. Auch das Anlegen eines befahrbaren Wegenetzes z.B. für die umliegenden Feuerwehren führt zu Unstimmigkeiten ebenso bez. der Jagdordnung. Erst nach 2006 wurde ein Konzept der beschränkten Zugängigkeit in den Randzonen realisiert, was etwas den Dampf aus dem Kessel nahm. Inzwischen hatte der „Sachsenforst“ die NSG – Fläche übernommen.

AUGUST 1998

Das ganze Jahr über bis zur Übergabe wird an unserer lang ersehnten Ortsumgehung gebaut. Die Fa. Teichmann hatte die Ausschreibung gewonnen und u.a. als Unterauftragnehmer die Königsbrücker Bauhof GmbH als bewährten Brückenbauer mit ins Boot geholt. Dämme wurden geschüttet, Gebäude am Baderberg abgerissen (Altes Arbeitsamt + alte Pfeiler), Amphibientunnel gebaut, die Brückenunterführung samt Umverlegung des Mühlgrabens einschließlich der Holzbrücke in die Natur eingepasst und die große Brücke am Baderberg über die Pulsnitz mit dem großen Kreuzungsbereich realisiert. Die Straßennebenbereiche wurden teilweise mit neuen Stützmauern, aber auch mit Schallschutzwänden und Bepflanzungen versehen. Es wurden auch Lärmschutzfenster an neu betroffenen Gebäuden entsprechend der vorliegenden Messergebnisse eingebaut. Allerdings war man knausrig bei Gebäuden, die bisher auch schon vom Straßenlärm betroffen waren.
Am 03.08. wurde unsere Stadt von einer Sturzflut heimgesucht. Wassermassen ergossen sich über uns und lösten z.B. oberhalb unserer Grundschule von den abgeernteten Feldern Schlammlawinen aus, die letztlich unseren gerade neu eingerichteten Turnraum im Kellergeschoss mit Schlamm überflutete. Es war ein Schock. Inzwischen erfolgten im Gelände Veränderungen (Wälle, Gräben, Auffangkuhlen), damit eine Wiederholung möglichst vermieden werden kann. Es hat längere Zeit gedauert, ehe der Sportraum wieder nutzbar war.
Die Röhrsdorfer Schindelteiche werden an eine Fischzüchterin verpachtet. Inzwischen ist der „Sächsische Anglerverband Elbflorenz e.V.“ Pächter geworden. Die Machbarkeitsstudie für die Entwicklung des „Neuen Lagers“ wird seit einiger Zeit von der Dresdner Fa. GKS bearbeitet. Das ganze Areal wird in verschiedene Entwicklungsgebiete aufgeteilt. Eines davon wird die Stadt mit entsprechenden Fördermitteln vom Freistaat und der EU übernehmen. Eine Unmenge Kubikmeter, ca. 560000 m³ umbauter Raum, stand zur Nachnutzung oder Abriss zur Diskussion. Letztlich „siegte“ der Abriss, der auch Fortschritt bedeuten kann. Noch ist der Traum für die Nutzung einer Fläche für den Bau von Eigenheimen an der Steinborner Str. nicht ausgeträumt.
Am 22.08. findet ein Ehrenkolloquium für Heinz Kubasch aus Anlass seines 75. Geburtstages im Rathaussaal statt. Es werden seine Verdienste für Natur und Umwelt auch schon zu DDR – Zeiten gewürdigt.

SEPTEMBER 1998

Die Fertigstellung der Ortsumgehung mit ihren umfangreichen Baumaßnahmen, in die auch unsere Ver-und Entsorgungsverbände involviert waren, so z.B. mit der Kanalunterörterung an der Garten-/Mühlstraße, um die spätere Entwässerung des Ostteils unserer Stadt und Gräfenhains gewährleisten zu können. Auch im Kreuzungsbereich Dresdner-/Höckendorfer Str. waren umfangreiche Maßnahmen erforderlich. Am 12./13.09. war das „Neue Lager“ am „Tag des offenen Denkmals“ für Interessenten geöffnet, was reichlich genutzt wurde. Vom 11.-13. September begeht unsere FFW Königsbrück ihr 125-jähriges Gründungsjubiläum. 125 Jahre freiwillige Arbeit in Gefahrensituationen, die nicht „nur“ Brände beinhalten, sondern zunehmend auch Verkehrsunfälle mit mental zu verkraftenden Situationen. Auch bei Hochwasserereignissen oder Folgen von Stürmen (Kyrill, Sturmtief Paul etc.) sind die Kameraden stets einsatzbereit. Danke, liebe Kameraden, auf Euch ist immer Verlass. Das gewünschte Gefahrgutfahrzeug wird etwas später am 03.12. den Kameraden übergeben.
Inzwischen entwickelt sich auch das Baugebiet am Sandberg mit dem Verkauf von Grundstücken an Bauwillige und ist nun fast belegt.
Auch Harald Karras – der Mister Abendschau beim SFB-Fernsehsender Westberlin – besuchte seine Heimat. Er war nach dem Krieg in die Königsbrücker Kulturbundaktivitäten („Hupfdohlen“) mit eingebunden. Dr. Bodo Rischke lud ihn auch zu einem Treffen der Ehemaligen ein.
Am 23.09. findet das nächste Großereignis, die feierliche Freigabe unserer Ortsumgehung statt. Das Straßenbauamt Meißen (SBA) hatte ein Informationsblatt über den Bau der Trasse herausgebracht. Auf der großen Kreuzung wurde das Rednerpult aus dem Ratssaal mit dem Königsbrücker Wappen aufgestellt. Zwei Mitarbeiterinnen hielten die Bänder und die Kissen mit den Scheren. Natürlich durften keine Festreden fehlen, so von Wirtschafts-und Verkehrsminister Kajo Schommer (+), vom Staatssekretär im BMV in Bonn Johannes Nietsch und unser Ulrich Klinkert (MdB). Auch ich durfte ein paar Dankesworte zu den überaus zahlreich erschienenen Königsbrücker Bürgern und Gästen sprechen. Superintendent Müller und ein Prälat der Katholischen Kirche baten um Gottes Segen zur Freigabe dieser lang ersehnten Umgehungsstraße. Dann wurde das Band unter dem Jubel der Menge von den Prominenten zerschnitten, zu denen auch Finanzminister Milbradt, Dr. Weidelener, und H. Nitzsche (MdL) zählten, aber auch unsere Überraschungsgäste Bürgermeister Thümmler aus Pegnitz mit Herbert Lauterbach. Auch der Spiritus Rektor unserer Ortsumgehung Dr. Rohde sowie Herr Joos und Herr Rade mit ihren Mitarbeitern vom SBA und Herr Schwerk vom Regierungspräsidium waren anwesend. Sie hatten letztlich den Planungs- und Baustress mit zu ertragen gehabt. Auch unser Posaunenchor spielte in voller Besetzung unter Leitung von Günter Driesnack, der neben seinem zeitraubenden Job im Amt seit fast 50 Jahren den Posaunenchor leitet.
Im Hintergrund warteten schon ungeduldig unsere Oldtimer-Freunde, die als erstes die Strecke befahren durften. Lt. Sächsischer Zeitung im Bericht von Reinhard Kärbsch (Schlagzeile!) benutzte ganz zuerst Steffen Broßmann (+2012) mit dem Kinderwagen samt Enkelkind Felix unter dem Beifall der vielen Schaulustigen die neue Straße. Nachdem das Band zerschnitten war, kamen die Oldtimer „angetuckelt“, so Günter Freudenberg mit seinem Opel, Bernd Hörig mit seinem Audiunion, Wilfried Hommel auf seinem Motorrad und noch einige andere auf NSU, AWO, DKW und HORCH. Danach ging es ins Festzelt, was auf der Straße aufgebaut war, sodass die öffentliche Verkehrsfreigabe erst am nächsten Tag nach der Beräumung erfolgte. Wir hatten mit unseren Pegnitzern im Festzelt viel Spaß, wovon zahlreiche Fotos zeugen. Es war für Königsbrück wieder ein historischer Tag in seiner 750-jährigen Geschichte. Die Menschen hörten nicht auf zu feiern. Bis tief in die Nacht wurde vor den Häusern der bisherigen innerstädtischen B97-Trasse gefeiert. Jeder räumte seine Getränkevorräte samt Sitzgelegenheiten heraus. Die Freude war überschwänglich groß. Seitdem rollen nur noch begrenzt LKW's durch die Stadt, meist zum Zwecke einer Anlieferung oder weil man sich verfahren hatte. Lediglich Schwertransporte, die höher als die Kamenzer Brücke sind, z.B. Generatoren oder Trafos aus Görlitz von Siemens können mit „erheblichem Wegezoll“ die Innenstadt passieren. Die innerstädtischen Straßen der B97 werden nach der teilweisen Sanierung in Kommunalstraßen umgewidmet (Weißbacher, Schloss-, Markt-, Quer- Kamenzer und Alte Post-Straße).
Am 27. September 1998 ist Bundestagswahl. Der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, wird abgewählt und Gerhard Schröder bildet eine rot-grüne Bundesregierung, die u.a. die Hartz IV – Gesetze einführt, die viele ehemalige DDR-Bürger mit ihren gebrochenen Erwerbsbiographien benachteiligt. Leider sind die meisten Gesetze nicht bis zum Ende gedacht, oder haben Lobbys im Hintergrund gewirkt? Allerdings hat Schröder Deutschland vor dem Irakkrieg bewahrt!!

OKTOBER 1998

Am 03. Oktober, zum Einheitstag ist Harald Karras wieder in Königsbrück. Leider war es das letzte Mal. Er starb am 03. Dezember 2015 im Alter von 88 Jahren in Berlin. Das damals noch jährlich stattfindende Oktoberfest wird in der KCC – Halle gefeiert. Am 09.10. findet die Dankveranstaltung zur gelungenen 750-Jahrfeier auf dem Rathaussaal statt. Am 13.10. wurde unser neu mit Spenden und ehrenamtlicher Arbeit entstandener Schlossturm offiziell dem Freistaat „geschenkt“. Der Bauanlauf im „Neuen Lager“ erfolgt am 16.10. mit vorbereitenden Maßnahmen im Bereich des Lagereingangs und in der Anlage vor dem Casino durch ABM- Mitarbeiter, finanziert aus dem EU- Sozialfonds. Richtig los ging es erst mit dem am 27.01.1999 vom Freistaat überreichten 4 Mio DM –Scheck aus sächsischen und EU- Fördermitteln.

November + Dezember 1998

Am 12.11. erfolgt bereits der erste Spatenstich für unser neues ASB - Alten-und Pflegeheim im Südteil des ehemaligen „Alten Lagers“. Zuvor erfolgte schon der Abriss des ältesten Garnisonshauses von 1893 und einiger weiterer Barackengebäude. Diese Fläche wurde bekanntlich für den von Bodo Kaiser organisierten Rummelplatz mit Riesenrad zur 750 - Jahrfeier genutzt.
Am 15.11. 98 besteht die Gemeindediakonie 100 Jahre, davon diente unsere Gemeindeschwester Olga Kretzschmann 52 Jahre ihrer Gemeinde.
Noch im Dezember wird der Planungsvertrag über die Gestaltung unseres Pilotprojektes der Bus-Bahn-Schnittstelle am Bahnhof unterzeichnet. Das Wohngebäude Parkstr. 3 ist inzwischen unbewohnt, aber die Stadt muss sich über einen Verkauf mit einer Miteigentümerin aus Stuttgart einigen , was nicht ganz einfach ist, da die Dame „Stuttgarter Wertvorstellungen“ hatte. Später kommt das Haus in die richtigen Hände und heute ist es ein Schmuckstück. Wie schon erwähnt erhält unsere FFW das ersehnte Gefahrgutfahrzeug am 03.12. Am 14. 12.verabschieden wir Herrn Klotzsche, den langjährigen Leiter unseres Bauhofes in den Ruhestand. Seine Stelle übernimmt ab 01.01.99 die ehemalige Bürgermeisterin von Höckendorf, Frau Gärtner.
In diesem Jahr gab es 26 Geburtstage mit über 90 Jahren, drei Goldene Hochzeiten und eine Eiserne Hochzeit. Frau Hilda Hustig von der Lindenstraße war unsere älteste Bürgerin mit 97 Jahren.
So, das war das auch historisch bedeutsame Jahr 1998 mit vielen Höhepunkten und Planungen für das kommende Jahr 1999, dem letzten in diesem Jahrhundert, aber auch in diesem Jahrtausend.