Das Jahr 1993

Damals vor 20 Jahren - Das Jahr 1993

von Jürgen Loeschke + Günter Driesnack
Bürgermeister a.D. Bauamtsleiter a.D.

Im Jahr 1993 ist gekennzeichnet von vielen Aktivitäten, die im Jahre 1992 begonnen worden sind, so die Erschließung des Gewerbegebietes, aber auch Einzelmaßnahmen im Stadtsanierungsgebiet mit kommunalen und privaten Maßnahmen. Die Vorbereitungen für die Abwasserentsorgung laufen auf Hochtouren , ebenso die für die zukünftige Trinkwasserversorgung. Gehen wir also der Reihe nach und lassen die Monate mit ihren Ereignissen an uns vorüberziehen.

Januar 1993:

Die Klärung der Eigentumsfragen macht Fortschritte, denn die Oberfinanzdirektion in Chemnitz (OFD) hat der Stadt 9 bebaute Grundstücke nach eingehender Prüfung als Eigentum zugesprochen, sodass wir nun darüber verfügen können. Der Stadtrat beschließt die Ausschreibung der Grundstücke, wobei Mieter bevorzugt Berücksichtigung finden sollen, vorausgesetzt, dass das Konzept samt Finanzierung nachvollziehbar ist. Diese Erlöse können wir dann im Vermögenshaushalt für die städtischen Vorhaben verwenden.
Es wird ein Beschluss über die Aufstellung eines B- Planes „Am Wasserturm“ gefasst unter Einbeziehung des ehemals von Russen bewohnten WBS-70- Blocks, der auf seit 1934 städtischem Gelände steht, sowie das Grundstück der 95 Wohneinheiten auf der Großnaundorfer Straße.
Bezüglich des Gewerbegebietes wird beschlossen, dass außer im flächenmäßig reduzierten Sondergebiet (Plusmarkt, Fa. Broßmann, Baywa ) keine weiteren Handelseinrichtungen zum Schutz der Innenstadt zugelassen werden.
Die zukünftige Nutzung der leergezogenen Kommandantur wird diskutiert. Bund und Land streiten sich darüber, wem das Eigentum des ehemaligen sächsischen Justizfiskus zusteht.
Die Westlausitzer Sparkasse möchte gern das Gebäude erwerben, ihre Filiale dort einrichten und auch andere Mieter unterbringen (Polizeiposten, Stadtverwaltung).
Über das alte Lager wird mit verschiedensten Nutzungsvorstellungen immer wieder diskutiert, aber die Altlasten sind unkalkulierbar. Es soll bis 2005 dauern, dass ein Konzept verwirklicht werden kann.
Es finden auch erste Gespräche mit dem Planungsbüro Eppler bez. der Trassenführung der Fernwasserleitung von Tettau (Brandenburg) aus statt.

Februar / März 1993:

Durch das Büro SES in Dresden wurde ein ergänzender Entwurf für einen Teilflächennutzungsplan im Stadtrat vorgestellt, der nicht die ehemals militärisch genutzten Flächen berücksichtigt, die sich im Besitz des Bundes und teilweise bis 1999 auf Weißbacher Flur befinden. Für diese Flächen ist noch viel Klärungsbedarf notwendig. Der erarbeitete Entwurf wird vom Stadtrat gebilligt und für die interessierten Bürger zur Einsicht und Stellungnahme ausgelegt.
Herr Mast-Jägermeister spricht beim Bürgermeister vor und interessiert sich für den „Schwarzen Adler“ und die Kommandantur (ehemaliges Amtsgericht auf dem Markt) , wird sich aber letztlich für den „Goldenen Hirsch“ in Kamenz entscheiden.

Noch besteht der aus DDR-Zeiten stammende zentrale Wasser-und Abwasserbetrieb (WAB) in Dresden mit Radeberger Außenstelle. In etlichen Beratungen des Vereins kommunaler Anteilseigner (VKA) werden die Bedingungen einer sogenannten Teilbetriebsüberlassung der in den Kommunen befindlichen Ver-und Entsorgungssysteme formuliert, damit der Investitionsstau nicht größer wird. Wichtig ist, dass die Kommunen oder die jeweiligen Verbände die Gebührenhoheit erlangen. Wir sind inzwischen dem Kamenzer Trinkwasserzweckverband beigetreten. Der Bürgermeister muss sich aber weiterhin um die Übernahme der Königsbrücker Abwasserkanäle im Rahmen des VKA bemühen. Die Gemeinden unseres Abwasserverbandes zahlen an den AZV 15 DM Umlage pro Einwohner und Jahr, solange keine Gebühreneinnahmen bestehen.
Außerdem warten die Kommunen auf neue Landesgesetze, um die Wasserver-und entsorgung auf stabile rechtliche Füße zu stellen.
Eine freudige Mitteilung gibt es: Am 01. März 1993 wird der 1.Baubschnitt der Ortsumgehung zwischen Weißbacher und Kamenzer/Gartenstraße genehmigt.

Der städtische Haushalt für 1993 ist im März noch nicht ausgeglichen. Viele Unwägbarkeiten bestehen noch und verschiedene Fördermittelzusagen sind noch nicht eingegangen.
Da die kommunalen Wohnungen noch im Haushalt geführt werden, belastet der „Wendebau“ auf der Kamenzer Straße 31 mit 250 TDM Zinsen/Jahr den städtischen Haushalt, denen allerdings auch Mieteinnahmen gegenüber stehen.
Damals hatten wir nur 160 TDM Gewerbesteuereinnahmen, was 2% der Haushalteinnahmen entsprach, wogegen im Bundesdurchschnitt 15-35% erzielt werden. Deshalb liegt auch unser Personalkostenanteil bei über 50%, wobei unser Kita-Personal erheblich zu Buche schlägt, was in den alten Bundesländern in dem Umfang noch nicht aktuell war.
Im Investitionshaushalt sind für die Stadtsanierung wieder Mittel zugesagt, die aus dem Landessofortprogramm mit einer günstigen Förderung (67%) stammen. In der Mittelschule soll die Heizungsanlage von Kohle auf Gas umgestellt werden. Die Grundschule muss noch warten.
Der ausgewiesene Schulweg nach Stenz löst immer wieder Diskussionen aus, weil unvernünftige Eltern – bis heute – den Stenzer Weg in beiden Richtungen mit dem Auto befahren und damit Kinder gefährden. Ein Gehweg entlang der Großenhainer Straße scheitert bis heute an einigen Grundstücksbesitzern.
Am 02.03.93 findet die Submission bez. der Vergabe der Kläranlagenbetreibung statt, da nun die Staatsregierung das nach VOL (Vergabe von Leistungen) ausgeschriebene Betreibermodell voll unterstützt (Königsbrück ist sächsisches Pilotprojekt). Es werden 13 Angebote abgegeben, die es zu bewerten gilt.
Die Gebühren für alle Leistungen des Abwasserverbandes werden auf ca. 5DM/m³ (2,50€/m³) Abwasser kalkuliert.Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung der Abwasseranlagen gibt es erheblichen Nachholebedarf, der letztlich auch für den Bürger mit Kosten verbunden ist.
Es wird auch ein städtisches Baumkataster angelegt, auf dessen Grundlage der Zustand der Bäume u.a. an Straßenrändern fortgeschrieben wird und jährlich auch aus Haftungsgründen entsprechende Sanierungsmaßnahmen festgelegt werden.
Es laufen auch die Umbaumaßnahmen im Stadtbad weiter und die Fertigstellung soll zum
Saisonbeginn gesichert werden, was nicht ganz eingehalten werden kann.

April 1993

Es wird im ganzen Landkreis über die vorgesehene Verwaltungsreform diskutiert, deren „Opfer“ in unserem Umfeld letztlich die Landkreise Dresden -Land und Bischofswerda werden. Kamenz bleibt vorerst Kreisstadt eines dann größeren Landkreises. Auch bei den Kommunen bewegt sich was. So führt Königsbrück intensive Gespräche mit Gräfenhain und auch Röhrsdorf zeigt an einer engeren Zusammenarbeit Interesse.

Am 02. April erfolgt die bautechnische Abnahme der Hohenthalstraße, die auch schon mit einem neuen Abwasserkanal und Wasserleitungen, Straßenbeleuchtung, Parkplätzen und Grünanlagen bestückt wurde, aber leider spielte die GASO nicht mit, obwohl die Übergabestation benachbart vorhanden ist. Voraussetzung war für die GASO, dass pro 100 m Gasleitung 4 Abnehmer einen Anschlussvertrag unterzeichnen.Viele Grundstückseigner hatten inzwischen auf Öl umgestellt.
Am 08. April erfolgt die feierliche Freigabe der Hohenthalstraße für den Verkehr. Diese Straßensanierung war ein überraschender Glücksfall für unsere Stadt. Damals wurden noch Verbindungsstraßen zwischen B- und S- Straßen gefördert (B 97 und S 100). Auch die Südseite der Weißbacher Straße zwischen Louisen- und Querstraße wurde in gleicher Weise mit Stadtsanierungsmitteln modernisiert.
Am 15.04.93 beginnen mit der Bauanlaufberatung zum 1.BA die lang ersehnten Bauarbeiten an der Ortsumgehung.

Das Grafia-Gebäude hat nach der Stillegung der Druckerei einen neuen Besitzer und der plant Geschäftsflächen und Wohnungen in diesem Gebäude unterzubringen. Letztlich werden 1994 vier Königsbrücker Geschäftsleute die Flächen nutzen. Auch ein Ratskeller mit leider wechselnden Pächtern entsteht wieder.
Erste Bauabnahmen am Mehrzweckgebäude erfolgen im Stadtbad.

Mai 1993

Infolge der Submission bez. des Betreibermodells für unsere Kläranlage erhielt in der Mai-Stadtratssitzung nach eingehender Prüfung auch in Absprache mit dem Regierungspräsidium und dem Umweltministerium, aber auch dem Landkreis die Fa. AWATECH aus Hannover den Zuschlag. Jeder Gemeinderat des Abwasserzweckverbandes(AZV-damals noch Königsbrück, Laußnitz, Weißbach, Schmorkau, Gräfenhain) muss diesbezüglich seinen Vertretern in der Verbandsversammlung des AZV per Beschluss das Mandat zur Vergabe erteilen.
Die Firmenvertreter stellen sich den Fragen der StadträtInnen. Die Firma betreibt bereits je 2 Anlagen in Niedersachsen und in den neuen Bundesländern (NBL). Sie übernehmen die weitere Planung, den Bau und die Betreibung der Anlage für 25 Jahre ab Vertragsunterzeichnung.

Verschiedene Stadtsanierungsmaßnahmen sind inzwischen im Rahmen des Landessofortprogramms abgeschlossen oder noch im Gange, so die Sanierung des Einzeldenkmals „Löwenapotheke“, Markt 11, das Eckgrundstück C.-Tausch-Str./ Ecke Hoyerswerdaer Str. genannt „Krugs Eck“, Mittelstr.5, Alte Poststr.5, innerstädtische Straßenbeleuchtung, Marktbrunnen, Abriss von Hintergebäuden Schloßstr.26 und des
Kommandanturgebäudes mit der daraus folgenden Sanierung des Giebels Hintere Gasse 2; Sanierungsmaßnahmen auf der Südseite der Weißbacher Str. zwischen Louisen- und Querstraße. Auch der Ausbau des Dachgeschosses im Gebäude C.-Tausch-Str.2 ist nun endlich genehmigt und vom Stadtrat beschlossen worden, sodass diese Sanierungsmaßnahme mit einer Kreditaufnahme von 420 TDM weitergeführt werden kann.
Mit der Genehmigung von Dachgeschossausbauten musste auch eine fahrbare Feuerwehrleiter entsprechender Größe angeschafft werden.

Am 07.05. erfolgt das Richtfest an der „Singlwohnanlage“ Bohraer Str.
Die Erschließung des Gewerbegebietes ist in vollem Gange, wird aber durch fehlende Vermessungskapazitäten etwas behindert.

Die Planungen für die Wohnbebauung auf der Bohraer Str. werden durch die als OU-Variante geforderte Westumfahrung der Stadt und „Silbergrasfunde“ ebenfalls verzögert.
Im Mai findet auch die 2. Gewerbeschau Königsbrücker Unternehmen statt.

Juni 1993:

Im Juni- Stadtrat wird die Gestaltungssatzung für das innerstädtische Sanierungsgebiet beschlossen.
Das zukünftige Wohngebiet „Am Wasserturm“ wird eines von 7 besonders vom Land Sachsen geförderten Wohnungsbauplanungen, in dessen Folge später auch Fördermittel mit einer hohen Förderquote für die Verbesserung der Wohnumfeldbedingungen fließen.

Der weitere Geburtenrückgang lässt vermuten, dass noch ein weiterer Kindergarten geschlossen werden muss.

Vom Kultusministerium wird sachsenweit die Trennung von Grundschule und Hort gefordert, was wir aber negieren und den Hort bei der Schule belassen. Später werden lediglich bei Kapazitätsengpässen einzelne Gruppen den Kitas zugeordnet, soweit Platz vorhanden ist. Heute wird offiziell anders darüber gedacht, wovon die neuen geförderten Hortanbauten an der Grundschule zeugen!!
Unser Jugendclub hat 23 Mitglieder und wie viele sind es heute??

Juli 1993

Am 04. Juli feiert unser Posaunenchor sein 40-jähriges Bestandsjubiläum. Er ist eine Institution in unserer Stadt und darüber hinaus. G. Driesnack hat in all den Jahren viele junge Bläserinnen und Bläser ausgebildet und damit dem Chor ein so langes Bestehen ermöglicht.

Am 16. Juli ist es endlich soweit. Die erste Ausbauphase des umgebauten Stadtbades ist beendet und das Bad wird zur Nutzung im Rahmen des KCC-Badfestes freigegeben. Allerdings müssen wir die Befüllung mit städtischem Trinkwasser (bis 2005) vornehmen, da die Trichlorethenmisere im Grundwasser sonst das Baden verbieten würde, was nun zu höheren Kosten führt und damit auch zu erhöhten Eintrittspreisen, die aber längst nicht die entstehenden Kosten decken. Ein neuer Förderantrag für die weitere Modernisierung ist in Arbeit.
Am 26. Juli wird die neu sanierte und rekonstruierte „Löwenapotheke“ eröffnet. Die
wunderschönen Wandgemälde stammen von Erich Hämpel.
Von der Oberfinanzdirektion in Chemnitz gibt es positive Signale bez. Übereignung unseres künftigen Kläranlagenstandortes oberhalb des Grünmetzweges.

August 1993:

Es erfolgt ein Spendenaufruf für weitere Gedenksteine auf dem „Scheibischen Berg“. Bisher wurde einer für die Opfer des II. Weltkriegs und der Gewaltherrschaften aufgestellt. 5 weitere Steine sind für alle zu nennenden Opfer notwendig..

Unsere Freiwillige Feuerwehr begeht ihr 120 -jähriges Gründungsjubiläum. Auf die Kameraden ist immer Verlass!
Am 26. August besucht uns Bürgermeister Häge mit der Aidlinger Stadtverwaltung im Rahmen einer Rundreise. Später entsteht mit Laußnitz eine Partnerschaft. Der Aidlinger Stadtbaumeister a.D. Erich Schmidt steht uns bei vielen Baumaßnahmen beratend zur Seite.
Zur Baumaßnahme Hohenthalstr. meinte er: „ Ihr klotzt aber und kleckert nicht!“, als er die Granitbordsteine sah.
Unsere Schulleiter berichten im Stadtrat, so z. B. Frau Böhme über Platzprobleme mit deshalb notwendigem Unterricht an Nachmittagen. Auch das Sporthallenproblem wird
angesprochen, da die Wege bis zur Bundeswehr speziell bei Regenwetter unzumutbar sind. Es wird noch eine Weile dauern, bis das Problem gelöst werden kann. Auch sie appelliert an
die Eltern, nicht den Stenzer Weg mit ihren Autos zu befahren. Es bleibt ein über 20-jähriges Problem der Ignoranz bis zum heutigen Tage!!

Seit einem Jahr besteht die Mittelschule mit Haupt-und Realschulklassen. Sie muss 3
Gebäudekomplexe mit entsprechenden „Wanderaufkommen“ nutzen. Herr Streit berichtet über Sanierungsmaßnahmen in der Schwanenteichschule und die Heizungssanierung im Hauptgebäude, was große Erleichterungen mit sich bringt.

Folgende Wohnstandorte mit B-Plänen werden ausgewiesen, die sich in letzter Zeit füllen bzw. schon belegt sind:
Bohraer Str. 2x + Singlbau
Am Sandberg
Am Wasserturm
Ofenfabrik Werner
Stenzer Gasthof
Am Lindenberg (damals noch Neukirch)
Am Kunathsberg (damals noch Neukirch)
Außenbereichssatzungen Forststraße, Großnaundorfer Straße und Hufenweg;

In Königsbrück beginnt der Einwohnerschwund durch Geburtenschwund und Wegzug wegen fehlender Arbeitsplätze (- 200EW)
Die langwierigen Verhandlungen mit der AWG wegen des Kaufs von Grund und Boden als Voraussetzung für die Bildung von Wohneigentum und Investitionen werden durch eine neue Gesetzeslage endlich abgeschlossen und notariell mit Kaufvertrag beglaubigt.

Unser großer Waldbestand bringt uns Probleme bis zum heutigen Tag für das Baurecht in unseren genehmigten B-Plangebieten, da sich Gesetze geändert haben. Früher reichte eine beglaubigte Haftungsfreistellung für den Waldbesitzer durch den Bauherrn, wenn die 30m Waldabstand nicht eingehalten wurden. Heute muss der Waldbesitzer seine Zustimmung zum Fällen der Bäume im 30m-Bereich geben, sonst kann der Bauwillige nicht bauen. Dabei entstehen hohe Kosten für das Fällen und die geforderte Bepflanzung von Ausgleichsflächen. Erstmalig tritt das Problem, damals noch als Haftungsfreistellung beim Abwägungsprozess der „Träger öffentlicher Belange“ bez. des B-Planes „Am Sandberg“ im Stadtrat auf.
Der Zustand des Schwanenteiches wird zunehmend bemängelt und konnte bis heute nicht verändert werden, was an Besitzverhältnissen, aber auch der damaligen Verantwortlichkeit
des DDR- Landkreises für diese VMI-Maßnahme lag und liegt. Vielleicht gelingt es nun in naher Zukunft.
Die grundhafte Sanierung des desolaten Bad-und Feuerweges beginnt mit der Bauanlaufberatung, wobei uns die Verlegung des Abwasserkanals zwischen dem Grundstück Frommhold und dem Grundstück Weißbacher Straße 23, das wenig gegründet ist, große Sorgen bereitet (erhebliche Zusatzkosten für eine Bohrpfahlwand).

Münchner Hochseilartisten hatten sich auch nach Königsbrück „verirrt“.

Am 25.08. findet in Weißbach eine Einwohnerversammlung im Beisein von Landrätin Andrea Fischer zur evtl. Fusionierung mit Königsbrück statt. Durch eine missverständliche Äußerung der Landrätin zu Finanzierungsfragen entscheidet sich dann Weißbach zum Zusammengehen mit Neukirch.

September 1993:

Mit der GASO wird ein Konzessionsvertrag mit dem Ziel abgeschlossen, noch 1993 möglichst viele Gasleitungen im Bohrspülverfahren (ohne Längsaufriss der Straßendecke) zu verlegen.
Auch die Telecom verlegt u.a. in der Innenstadt Kabel, womit auch erste Gehwege saniert werden.
Am 18./19. September besuchen uns zum Herbstfest auf dem Sportgelände die Lautenbacher Musikanten aus Weikersheim. Dieser Abend endet mit einem tragischen Ereignis , denn auf dem Heimweg wird Helmut Walter kurz vor dem Erreichen des an der B97 im Zuge der Ortsumgehung neu angelegten Gehweges von einem Auto erfasst und erliegt seinen Verletzungen. Erst Jahre später gelingt es uns, den Gehweg bis zum Eingang des Sportgeländes zu verlängern.

Am 19. September wird die schon fast legendäre katholische Schwester Roberta nach 38 Jahren verabschiedet. Jeder kannte sie mit ihrem Trabi, in dem sie die Kinder zum Religionsunterricht abholte und wieder nach Hause fuhr. Gleichzeitig wird bekannt, dass Pfarrer Wagner nach Dresden versetzt wird und die Königsbrücker Gemeinde von Kamenz
aus verwaltet wird. Die Sanierung des Pfarrhauses auf der Höckendorfer Str. ist im Gange.

Unser zukünftiger Ortsteil Röhrsdorf wurde in das sächsische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, was sich sehr positiv auf das Ortsbild ausgewirkt hat.

Oktober 1993:

Am 01.Oktober 1993 tritt Rainer Böhme sein Amt als Geschäftsstellenleiter unseres am 14.01.91 gegründeten Abwasserzweckverbandes an und ist bis zum heutigen Tage mit großem Engagement tätig. Gleichzeitig wurde die Teilbetriebsüberlassung für unsere Abwasserkanäle mit der Übernahme der Gebührenhoheit von der WAB in Dresden wirksam. Frau Großmann hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt im Bauamt mit der Abwasserproblematik in Personalunion beschäftigt.
Das 1. Königsbrücker Oktoberfest findet statt, was nun leider keinen Veranstalter mehr hat.

Am 08.Oktober wird im Flugmedizinischen Institut die neue Öl- Heizungsanlage als erster Pflock für die Erhaltung dieser Bundeswehreinrichtung in Betrieb genommen. Hier ist dem Generalarzt Dr. Zacher mit seinem Einsatz für den Erhalt unseres Instituts viel zu verdanken

Der Landkreis berichtet vor dem Stadtrat durch Herrn Domschke, dem verantwortlichen Dezernenten, über den Stand der Abfallentsorgung und beklagt, dass die gelben Tonnen zu 40% mit unzumutbaren und nicht sortierbaren Müll gefüllt werden. Er bittet uns, die Einwohner entsprechend aufzuklären und auf das Gebot der Mülltrennung hinzuweisen. Die vorhandenen noch genehmigten Mülldeponien des Landkreises stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen und man denkt über eine Müllverbrennungsanlage in Lauta ernsthaft nach. Die bisher erhobene Pauschalgebühr ist eine der niedrigsten gegenüber vergleichbaren Landkreisen.

Erstmals wird vom Stadtrat die Bildung einer Schiedsstelle für die Verwaltungs- gemeinschaft beschlossen und mit Manfred Maethner auf Beschluss des Stadtrates besetzt.

Auch der Verlauf des von IPRO geplanten Hauptsammlers entlang der Großenhainer Straße ( mit einem Düker unter der Pulsnitz) und des Grünmetzweges wird vom Stadtrat bestätigt.

Folgende weitere Vorhaben der Stadtentwicklung sind in Arbeit:
+Bau des Bad-und Feuerweges
+Stützmauer Hoyerswerdaer Str. (oberhalb der Steinborner Str.) durch den Landkreis.
+Die Ausfahrt der OU zur Kamenzer Str. ist durch Eigentumsfragen etwas blockiert.
+Grundstücksprobleme haben auch den Bau der Telecom -Verteilerzentrale verzögert.
+Der Anschluss der Mittelschule ans Gasnetz ist in Arbeit.
+Der Bau der Wasserleitung und des Abwasserkanals am Grenzweg für das Gewerbegebiet ist im Gange.
+Das Bundesvermögensamt beabsichtigt auf Drängen der Stadtverwaltung das ehemalige Offiziershaus Auenweg 16 zu sanieren und die Wohnungen für Bundesbedienstete zur Verfügung zu stellen.
+Die Oberfinanzdirektion Chemnitz hat nach langwierigen Verhandlungen das Grundstück für den Kläranlagenstandort der Stadt übereignet und übernimmt bis zur Kaufpreishöhe die Entsorgungskosten.
+Am 25.10. wurde eine Schleusenspülung auf der Weißbacher Str. veranlasst, da bei Starkregen die Keller geflutet wurden, weil keine Rückstauklappen vorhanden und die Kanäle bis zu 50% mit Faulschlamm zugesetzt waren. Das Problem wird später auch gelöst.
+Am 31.10.1993 zum Reformationsfest wurde der Ferkelmarkt der Öffentlichkeit übergeben und durch E. Kreische die von ihm hergestellte und von C.Tausch gestaltete Figur der Bäuerin mit Ferkel feierlich unter großer Anteilnahme unserer Bürger im Beisein von Frau Tausch und ihren Angehörigen enthüllt. Auch dieses Vorhaben wurde aus Mitteln des Landessanierungsprogramms finanziert.

November 1993:

Im Gewerbegebiet ist das Sondergebiet nun fertiggestellt, sodass am 3.11. Plus eröffnen kann, am 04.11. BayWa und am 27.11. unsere einheimische Firma Broßmann.

Die Vertragsgestaltungen einschließlich des Erbbaurechtsvertrages mit AWATECH bez. der weiteren Planung, des Baus und der Betreibung der Kläranlage samt Nebenanlagen gehen in die heiße Phase. Den Verträgen muss von allen Mitgliedsgemeinden des AZV zugestimmt und die Rechtsaufsicht muss die Verträge genehmigen (Betreibervertrag und Erbbaurechtsvertrag).
Danach wird mit den angegebenen Vorbehalten der Betreibervertrag nach Aussprache mit den Vertretern von AWATECH vor dem Stadtrat am 22.11.93 unterzeichnet.

Es werden im Stadtrat grundsätzliche Entscheidungen zum Wohnungsbestand getroffen, so über die Inanspruchnahme des Altschuldenhilfegesetzes mit Kreditentlastung bis zum Sockelbetrag von 150 DM/m² Wohnfläche (Wfl.), sowie eine Entlastung um 850 DM/m² (Wfl.) beim sogenannten Wendebau auf der Kamenzer Str. 31. Dafür sind mindestens 15% der im kommunalen Besitz befindlichen Wfl. bis 31.12.94 zu privatisieren. Die Kommune darf nur noch 20% des gesamten Wohnungsbestandes in der Stadt besitzen.
Außerdem wird ein Modernisierungskonzept für unseren Wohnungsbestand mit der Maßgabe, bezahlbare Mieten zu garantieren, beschlossen, da 11% der Modernisierungskosten auf die Mieten zur Refinanzierung umgelegt werden müssen, was nur Teilmodernisierungen ermöglicht ( Dach, Heizung, z.T. Elektrik und Bäder, Fenster und z.T Wärmedämm - Fassaden).

Die erste Ortspolizeiverordnung wird im Dezember für das Jahr 1994 beschlossen.

Dezember 1993:

Der Stadtrat hat am 20.12. dem erarbeiteten Fusionsvertrag mit Gräfenhain zugestimmt und beide Bürgermeister Andre Gumpert und Jürgen Loeschke unterzeichnen ihn. Ab 01.01.94 gehen wir einen gemeinsamen kommunalen Weg, was die Gräfenhainer sicherlich nicht bereut haben.
Mit Beschluss des Stadtrates wird der ehemalige GUS- Wohnblock auf der Höckendorfer Str. aus dem Bestand des Bundesvermögensamtes übernommen. Mit heutigen Erkenntnissen hätte man den leer stehenden 5-Geschosser ohne Fahrstuhl um 2 Geschosse reduzieren müssen. Hinterher weiß man es immer besser, aber damals fehlten noch Wohnungen.
Auch auf der C-Tausch-Str.2 werden die Vergaben für die Ausbaugewerke beschlossen.
Auch dem Bau einer Wohnanlage auf dem Gelände der ehemaligen Ofenfabrik stimmte der Stadtrat zu. Initiator war Herr Kindermann, dem die Stadt bei der Beräumung von Schandflecken und der Bereitstellung von modernem Wohnraum viel zu verdanken hat.
Das Citymobil, finanziert von unseren Gewerbetreibenden, wurde auch für unsere Vereine angeschafft.
Das war das Jahr 1993, in dem viele Weichen für unsere Entwicklung gestellt worden sind ( Lösung der Abwasserproblematik, Baubeginn der Ortsumgehung, Wohnraumfragen und deren Finanzierung, Trinkwasserversorgung, Gasversorgung, Stadtbadsanierung, Stadtsanierung, Erschließung des Gewerbegebietes, Klärung von Eigentumsfragen als Voraussetzung für Investitionen)

Nicht zuletzt sollen auch die Leistungen der Mitarbeiter in der Stadtverwaltung gewürdigt werden. Sie konnten sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Außer den Stadtentwicklungsfragen mussten auch viele verschiedene Satzungen nach neuem Recht erarbeitet oder geändert und natürlich das Geld verwaltet und abgerechnet werden. Fast 50 Sitzungen waren vorzubereiten, die manchmal erst kurz vor Mitternacht endeten.. Auch unsere Stadträte mussten sich intensiv mit den vielfältigen neuen Problemen auseinandersetzen, um fundierte Entscheidungen fällen zu können. All die Entwicklungen sind auch nicht spurlos an unseren Bürgern vorbeigegangen. So musste man bei Baumaßnahmen Behinderungen in Kauf nehmen, was speziell für Geschäftsleute immer etwas ärgerlich ist oder ein Stück Grundstück musste zur Verfügung gestellt werden, aber auch verschiedene Kosten kamen auf diesen oder jenen zu. Im Gespräch waren die anstehenden Dinge aber meist zu klären. Danke!