1992 – ein historisches Jahr

Damals vor 20 Jahren 1992 – ein historisches Jahr

von Jürgen Loeschke
Bürgermeister a.D.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Freunde in nah und fern!

Nachdem wir die Jahre 1990/1991 in den vergangenen 2 Jahren Revue passieren ließen, wollen wir auch das für unsere Stadt historische Jahr 1992 mit seinen Ereignissen etwas beleuchten. Vieles verabschiedet sich im Laufe der Zeit aus dem Gedächtnis oder wird von den Ereignissen unserer immer schnelllebigeren Zeit überlagert. 1992 war ein ganz entscheidendes Jahr bezüglich unserer militärischen Vergangenheit, aber auch vorbereitender Planungen, um zielgerichtet unsere geschundene Stadt entwickeln zu können. Es war auch ein Jahr intensiver Investitionstätigkeit mit einem Investitionshaushalt (Vermögenshaushalt) von über 7Mio DM. Königsbrück war öfters in den Schlagzeilen, denn Presse und Rundfunk/TV hatten großes Interesse an den Geschehnissen in unserer Stadt.

Beginnen wir also mit dem

Januar 1992

Im vergangenen Monat, am 23. Dezember hatte uns unser Ministerpräsident Prof. Biedenkopf und unser Regierungspräsident mit weiterer prominenter Begleitung aus Anlass der Päckchenaktion am 23.12.1991 in den Kasernen zum zweiten Mal besucht.
Beim ersten Mal am 27.11 hatten wir und leitende Mitarbeiter vom Landkreis sowie der Kamenzer Bürgermeister Kunze ein sehr angeregtes kommunales Gespräch mit unserem Ministerpräsidenten, denn Sorgen hatten wir in großer Menge.
Nun aber zum neuen Jahr 1992.
Am 20. Januar tagte unter der Leitung unseres Stadtverordnetenvorstehers Alfred Wenzel der Stadtrat und 52 (!)Bürger unserer Stadt waren interessierte Zuhörer und Diskutanten bez. der geforderten Ortsumgeheng. Berühmt wurde der Ausspruch von Hermann Oswald: „Auch die Menschen gehören zur Umwelt!“ Favorisiert war damals schon die 1932 geplante ortsnahe Südumfahrung. Unsere Bürger wurden ungeduldig!
Außerdem gab der Bürgermeister bekannt, dass 103 (!) Wohnungsanträge gestellt wurden, obwohl 42 junge Menschen und 6 Familien in die „alten Bundesländer“ umgezogen waren. Nach 20 Jahren gibt es nun leider Wohnungsleerstand.
In der gleichen Sitzung wurden Beschlüsse über die B-Pläne Bohraer Str. zu Wohnzwecken und für das Gewerbegebiet gefasst, ebenso über den zukünftigen Standort der Kläranlage, den in einer Ausschusssitzung Herr Kunze als berufener Bürger technisch-finanziell und auf die künftige Stadtentwicklung hin orientiert begründet vorgeschlagen hatte. Bisher musste das „Neue Lager“ nicht angeschlossen werden, aber man sollte nie „nie“ sagen.
Am 23.01. 92 fand auf Einladung des Bürgermeisters im Beisein der Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat ein intensiver Gedankenaustausch mit unserem damaligen Regierungspräsidenten Dr.Weidelener und unserer Landrätin Andrea Fischer über die uns bewegenden städtischen Probleme statt. (Ortsumgehung, Abzug der Russen, Nachnutzungsmöglichkeiten der Militärliegenschaften, Trinkwasserproblematik, Arbeitslosigkeit, Eigentumsfragen etc.)
Auch die historischen Fleischbänke hinter dem Rathaus wurden in der folgenden Zeit zur Bibliothek samt den so hoch notwendigen öffentlichen Toiletten umgebaut. Mancher erinnert sich vielleicht noch an die „Plumpsclozustände“ an der Weißbacher Straße.

Februar 1992

Erstmals wurde im Stadtrat über einen evtl. Beitritt zum von Kamenz aus initiierten Trinkwasserzweckverband diskutiert, weil die Stadt mit der Verwaltung des Trinkwassernetzes bei der Vielfalt der anstehenden Aufgaben fachlich, finanziell und verwaltungstechnisch überfordert gewesen wäre. Bisher hatte die WAB GmbH, die durch neue Strukturen ersetzt werden sollte, diese Aufgaben erledigt. Unseren bisher noch nicht entdeckten Grundwasserschaden hätten wir allein nicht bewältigen können.
Auch mit der Feuerwehrsatzung befasste sich der Stadtrat. Die für die Einsatzfähigkeit unserer Kameraden der FFW so wichtige Feuerwehrabgabe wurde leider später deutschlandweit gerichtlich gekippt.
Wehrleiter Siegfried Kühne wurde für 50 Jahre Zugehörigkeit zur FFW geehrt, ebenso Hans Just für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft.
Der Stadtrat machte sich auch schon Gedanken über die spätere Nutzung des „Alten Lagers“, aber es sollte noch 13 Jahre dauern, bis dieser Schandfleck beseitigt und neu gestaltet werden konnte. Nach 8 Jahren allerdings wurde unser ASB-Alten-und Pflegeheim auf einer Teilfläche errichtet.
Wir konnten uns über Fördermittel für Straßenplanungen, Gehwege, aber auch für die Stadtsanierung, für das Stadtbad, die Bibliothek, das Jugend -u. Freizeitzentrum freuen. Auch unsere Hospitalkirche und das Louisenstift erhielten Mittel zur Sanierung. Unser Bauamt unter Leitung von Günter Driesnack hatte alle Hände voll zu tun.
Auch über die beantragte Namensgebung für das „Hotel Stadt Königsbrück“ wurde im Stadtrat diskutiert.
Am 27. Februar besuchte uns der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Carl- Dieter Spranger, um sich über die Probleme einer noch russischen Garnisonsstadt und die Situation der WGT-Streitkräfte zu informieren. Auch der sächsische SPD-Vorsitzende Kunkel informierte sich über die Streikräftesituation.

März 1992

Am 13. März findet das Richtfest beim Bau des neuen Bibliothek- Standortes im Rathausgäßchen statt.
Ralf Messerschmidt wird vom Stadtrat als neuer Wehrleiter unserer FFW bestätigt, ebenso wie Lutz Schlotterbeck als sein Stellvertreter. Beide begleiten ihre verantwortungsvollen Ämter mit gewohnter Zuverlässigkeit bis heute. Danke an alle Kameraden!
Auch eine damals noch notwendige Wohnungskommission wurde berufen.
In einem Grundsatzbeschluss bekennt sich der Stadtrat zu einer zukünftigen Verwaltungsgemeinschaft mit Laußnitz, Höckendorf, Gräfenhain und Röhrsdorf.

April 1992
Am Freitag,den 17.April fand eine von Michael Mögel und Hermann Oswald und ihren Mitstreitern der „Bürgerinitiative Entlastungsstraße“ spontan organisierte Sperrung der innerstädtischen B 97 statt, die nicht angemeldet war, denn dann wären bürokratische Hürden aufgebaut worden. Im Vorfeld waren hunderte Unterschriften für den Bau einer Ortskern nahen Umgehungsstraße gesammelt worden. Dieser spontane Bürgerwille hat auch dazu beigetragen, dass sie letztlich gebaut wurde.
Einen Tag vorher fand nach einer Trassenbegehung ein Bürgerforum auf dem Ratssaal zu diesem Thema mit dem Umweltminister Arnold Vaatz (CDU) und Vertretern des Wirtschaftsministeriums statt. Minister Vaatz zeigte Verständnis für unser Anliegen, wies aber auch auf die gesetzlichen Forderungen bez. der Variantenuntersuchungen hin. Es gab aber auch inzwischen das „Ausbaubeschleunigungsgesetz“ für Verkehrswege , was uns letztlich geholfen hat.

Durch Vermögenszuordnung erhielt die Stadt verschiedene Häuser zugesprochen (z.B. wenn es keinen anspruchsberechtigten Alteigentümer mehr gab oder wenn Alteigentümer nur noch ihr Wohnrecht gesichert haben wollten bzw. auf Rückgabe verzichteten und dafür entschädigt werden wollten), die zum Verkauf auf Basis Verkehrswert ausgeschrieben worden sind. Die Erlöse wurden dann als Eigenanteile für kommunale Investitionen verwendet.

Mai 1992

Am 04.Mai wurde im Stadtrat der Beschluss zum Beitritt in den Trinkwasserzweckverband Kamenz gefasst.
Am 12.05. fand eine Einwohnerversammlung bez. der notwendigen Maßnahmen zum Lärmschutz beim Bau der Ortsumgehung statt. Fachleute beantworteten weitestgehend die Fragen unserer Bürger.
Die Unterlagen von 5 untersuchten Trassenvarianten liegen später bis 25. Juli im Rathaus zur Einsicht und Anhörung aus.
Im Mai wird auch die kommunale Küche im Kita auf der Käte-Kollwitz-Str. ausgeschrieben.
Interessant ist , dass es noch 450 Schüleranmeldungen für die Mittelschule gab und 310 ( davon 105 in Laußnitz) in der Grundschule, was zu großen Platzproblemen führte. In Laußnitz wurden dann die 5.und 6. Klassen unterrichtet.
Auch die Telecom beginnt, ihr Netz in Königsbrück zu modernisieren und fordert ein geeignetes Grundstück für ihre Schaltstation. Nach längeren Tauschverhandlungen konnten wir ein geeignetes Grundstück an der Ortsumgehung zur Verfügung stellen.
Im Stadtbad werden erste Baumaßnahmen durchgeführt (u.a. Abrissmaßnahmen + Sozialgebäude mit Wasseraufbereitung).
Die erste Gewerbeschau des neuen Gewerbevereins findet auf dem Markt statt. In einer Podiumsdiskussion mit Staatsminister Dr. Hans Geisler und der Landrätin Andrea Fischer werden soziale Fragen diskutiert. Pfarrer Anys moderiert.
Unser Territorium ist „gesegnet“ mit wilden Müllkippen. Verschiedene Kippen werden von ABM-Kräften beseitigt.
Im Flugmedizinischen Institut erfolgt ebenfalls am 12. 05. das Richtfest für eine neue ölbetriebene Heizungsanlage, womit der erste „Pflock“ für den weiteren Bestand eingerammt wurde. Bleibende Verdienste haben sich hier der Generalarzt Dr.Zacher und sein späterer Nachfolger Dr. Rödig sowie ein hoher Beamter im Bundesministerium für Verteidigung und Oberstarzt Dr. Heiko Welsch als jahrelanger Institutsleiter erworben

Juni 1992
Der sanierte und mit einer gesponserten Rutsche versehene Spielplatz an der Gartenstraße wurde unter großer Teilnahme unserer Kinder am Kindertag in Betrieb genommen.

Die erste von unseren Fußballern organisierte Fußballstraßenmeisterschaft wurde am 13.06.
ausgespielt.
Dem Ehepaar Zumpe wurde der Zuschlag für unsere ausgeschriebene Küche erteilt. Seit 19 Jahren versorgt sie alle Kitas, Schulen , auch Privatpersonen und Gewerbetreibende. Danke für die zuverlässige und schmackhafte Arbeit.
Am 17.Juni gab es den ersten Spatenstich für die Araltankstelle von Hörigs im zukünftigen Gewerbegebiet. Ehrengäste waren Wirtschaftsminister Kajo Schommer und Regierungspräsident Dr. Weidelener sowie weitere Persönlichkeiten.
Unsere Schüler sammelten in einer Projektwoche in Parks- und Grünlagen 70 (!!) Säcke Unrat, der vorher von ?? achtlos weggeworfen wurde. Danke!

Juli 1992
Der Juli ist ein wahrhaft historischer Monat für unsere Stadt. Er ist geprägt vom beginnenden Abzug der WGT-Streitkräfte (Rote Armee) aus Königsbrück. Unmengen von Panzern, LKW's und anderen Materialien wie z.B.Munition werden per Eisenbahn abtransportiert.
Die Trinkwasserproblematik wird akut und wir geraten in die Schlagzeilen. Es werden Notmaßnahmen von den Umweltbehörden eingeleitet und veranlasst, dass die WAB eine mit Filterkohle bestückte Filteranlage am Brunnen des Wasserwerks in der Aue installiert. Mit dieser Maßnahme haben wir ab August wieder sauberes Trinkwasser (< 10µg/Ltr.). Auch unser Stadtbad war in Mitleidenschaft gezogen. Weiter Planungen bez. einer Fernwasserleitung werden vorangetrieben. Man sieht, dass wir durch die Auswirkungen der Stationierung der WGT-Streitkräfte und deren sorglosem Umgang mit der Umwelt von unseren übergeordneten Behörden nicht vergessen werden können. „Fluch und Segen der Besatzungsmacht!!?“
Bauarbeiten am ersten Bauabschnitt unserer Ortsumgehung lassen uns alle aufatmen, auch wenn es noch 6 Jahre bis zur Vollendung dauern sollte. Hier haben sich Dr. Weidelener und Dr.Rohde vom Wirtschaftsministerium sowie ihre verantwortlichen Mitarbeiter ein bleibendes Denkmal gesetzt. Bildzeitung meinte: Verrückter Bürgermeister will Ortsumgehung „durch“ Naturschutzgebiet „Tiefental“( typisch „Bild“ mit wenig Ortskenntnissen!!) bauen.
Der Stadtrat beschließt Zuschüsse für private Bauherren im Sanierungsgebiet. Königsbrück hat 2,5 Mio DM Sanierungs - Fördermittel für 1992 bewilligt bekommen. Das Stadtbild sollte sich daraufhin rasch ändern.
Es entbrennen heiße Diskussionen bez. der weiteren Nutzung des TÜP als Schießplatz durch die Bundeswehr.
Für Adolph Michael, dem Königsbrücker Heimatforscher wird auf dem Friedhof ein Gedenkstein enthüllt.
Erste Gespräche werden wegen der notwendigen Schließung von Kindereinrichtungen, dem Geburtenmangel geschuldet, geführt.

August 1992
Der Stadtrat muss leider den Beschluss über die Schließung des Kitas Hoyerswerdaer Str.
zum 31.08.92 fassen, was den Eltern nicht ganz leicht zu vermitteln war. Jedes Kind erhielt aber einen Platz in einer anderen Einrichtung.
Unsere neue Stadtbibliothek wurde am 17.08 unserer Bibliothekarin Ute Steckel feierlich übergeben. Inzwischen ist die Bibliothek an einen neuen Standort in die Grafiapassage umgezogen, was speziell für ältere Bürger einen bequemeren Zugang gewährleistet.
Am 19.08. findet eine Sondersitzung des Kreistages mit anschließendem Bürgerforum auf
dem Ratssaal mit dem Ziel statt, die weitere Nutzung des TÜP durch die Bundeswehr zu verhindern. Hochrangige Generäle waren anwesend, so auch der spätere „Held von der Oder“ General von Kirchbach. Die Meinungsäußerungen von Bürgern aller umliegenden Kommunen waren deftig, so dass es General von Kirchbach den Schweiß auf die Stirne trieb. Letztlich hatten wir Erfolg.
In dieser Zeit spricht erstmals der Dresdner Kunstkeramiker Professor Rudolf Sitte beim Bürgermeister bezüglich der Nutzung der stillgelegten keramische Fabrik (ehem. Dietze) vor. Er schuf später zur 750-Jahrfeier das Keramikrelief auf dem jetzigen Grundstück der Sparkasse. Prof. Sitte starb am 04.03. 2009.

September 1992

Neben dem historisch bedeutsamen Abzug der WGT-Streitkräfte aus unserer Region, kam die entscheidende Nachricht am 23.09.92 vom Verteidigungsminister Volker Rühe aus Bonn, dass die Bundeswehr auf die Nutzung des TÜP's verzichtet und damit den Weg für eine zivile Nutzung freigibt, was später wieder zu konträren und teilweise unfähren Diskussionen in der Bevölkerung bez. des NSG – Konzeptes von Heinz Kubasch Anlass gab. Der TÜP in Nochten wurde nun zum Übungsplatz der Bundeswehr und ihrer NATO – Partner. Danken möchte ich für die fachliche Unterstützung dem damaligen Kommandeur des Verteidigungskreiskommando 762 in Hoyerswerda Herrn Oberstleutnant Jürschick.

Der Stadtrat fasste einen wichtigen Beschluss zur Ausschreibung der Kläranlage als privates Betreibermodell, was von den oberen Behörden des Freistaates besonders intensiv begleitet wurde, da das Vorhaben als sächsisches Modellprojekt galt und bis heute funktioniert.
Die „Geronto - psychiatrische Einrichtung“ im Schloss, die damals noch von Schmeckwitz aus verwaltet wurde, führte den 1.Tag der offenen Tür durch, um die Transparenz gegenüber der Bevölkerung zu verbessern.
Auch unsere Vereinslandschaft verändert sich. So entstehen aus dem SV Motor Königsbrück verschiedene neue Vereine, so auch der Kegelverein „Weiß-Rot“ unter Führung von Rainer Hauffe und der SV Königsbrück unter Führung von Dietmar Löwe.
Am 25. September wurde unser mit 450TDM Fördermitteln sanierter Jugendclub wieder eröffnet. Gesamtkosten (530 TDM)
Im September fand auch ein Schulfest unserer Grundschule in Stenz statt. Heute ist diese Schule für mich die „schönste Grundschule Deutschlands“

Oktober 1992

Am 01.Oktober wurde der erste Spatenstich im Gewerbegebiet vollzogen. Zum Glück haben wir es damals nicht überdimensioniert und dennoch gibt es noch heute freie Flächen.
Unser ehemaliger Kommandant Shgiliow hatte „Wind“ von dem am 05.10. im Fernsehen stattfindenden „Dresdner Gespräch“ bekommen und kam aus seinem neuen Standort
Großenhain zum Spatenstich, um mich zu fragen, ob ich über ihn beim Oberkommandierenden schlecht berichten würde. Ich konnte ihn glaubwürdig beruhigen, denn der Abzug aus Königsbrück war unter seiner Leitung den Umständen entsprechend gut organisiert worden.
Für den 05. Oktober erhielt der Bürgermeister eine Einladung zum „Dresdner Gespräch“ nach Berlin. Unter der Moderation des MdR-Journalisten Feldmann waren der Oberkommandierende der WGT-Streitkräfte General Burlakow, der Bundeswehrgeneral Förtsch, der auch für den Abzug der Besatzungsmacht zuständig war, Grimmas damaliger Bürgermeister Linke und ich anwesend. Das Hauptanliegen Burlakows war das
Wohlergehen seiner Fähnriche und Offiziere. Über die Schicksale der einfachen Soldaten wurde kaum gesprochen. Unsere Sorgen wiederum lagen bei den Hinterlassenschaften und deren Beseitigung und der möglichen zukünftigen Flächennachnutzung, sowie einem geordneten Abzug, der bei uns schon erfolgt war.
Am 10. Oktober findet der große Dankgottesdienst mit allen Pfarrern und hunderten Teilnehmern der umliegenden Gemeinden auf der Königshöhe statt. Seit diesem Tag steht dort das auf Initiative von Werner Lindner geschaffene große Holzkreuz ,welches uns zum friedlichen Zusammenleben mahnt.
Inzwischen wurde der TÜP einstweilig unter Naturschutz gestellt mit entsprechender Polizeiverordnung zum Betretungsverbot, denn noch war es wirklich sehr gefährlich.
Die Sparkasse stellte den ersten EC- Geldautomaten in Königsbrück auf. So wurde Stück für Stück die älteste Sparkasse Sachsens modernisiert. Der Höhepunkt war 1997 die Neueröffnung in der ehemaligen Kommandantur auf dem Markt.
Es werden erste Gespräche bez. einer Erdgasversorgung auch für Privathaushalte mit der GASO geführt. Im jetzigen Gastrogerätebau lag ja schon zu DDR – Zeiten Erdgas an.
Unser erstes B-Plangebiet „Am Sandberg“ ist in Arbeit und wird später als erstes in Königsbrück genehmigt.Mit unseren B-Plänen taten sich die Genehmigungsbehörden immer sehr schwer, was auch Bauwillige in Nachbarorte abwandern ließ (Laußnitz, Neukirch, Reichenau)

November - Dezember 1992
Diese Monate sind von keinen Großereignissen gekennzeichnet, denn wir hatten in den vergangenen Monaten genug davon.
Unsere Feuerwehr wurde mit Rufmeldeempfängern ausgestattet, was letztlich die Sirenen erübrigt hat. Nur auf unserer Grundschule befindet sich noch der „Fliegenpilz“.
Die FFW hat durch die gesellschaftlichen Umbrüche mit einem starken Mitgliederrückgang zu kämpfen. Von 48 Kameraden sank die Zahl auf 29 Mitglieder. Dennoch war die Einsatzbereitschaft durch das Engagement der Kameraden immer gesichert. Danke!
Ziehen wir ein Resumee des Jahres 1992. Als historisch sind der Abzug der WGT-Streitkräfte und die Freigabe des TÜP's zu bewerten.
In der Stadt wurde erstmalig umfassend öffentlich und privat investiert, so in den Jugendclub, in die Bibliothek, in das Stadtbad, in Straßenbaumaßnahmen (Hohenthalstr. mit Auftrag der Asphaltdecke am 09.12.92; Weißbacher Str.), die Hospitalkirche und das Louisenstift. Der 1. BA. der Ortsumgehung wurde vom Straßenbauamt Meißen begonnen. Die Bauaktivitäten, in der Innenstadt unterstützt mit 2,5Mio DM Stadtsanierungsmitteln, gaben auch Anlass zur Hoffnung auf besser werdende Zeiten.

Presse und Rundfunk/TV berichteten umfassend aus Königsbrück, leider auch über unseren damaligen Grundwasserschaden.

Wir konnten alle eine spannende Zeit des Umbruchs erleben, auch wenn Arbeitslosigkeit zunehmend zu verzeichnen war. Zum Glück hatten wir mutige Unternehmer, die in mittleren und kleineren Gewerben und Geschäftsgründungen Menschen wieder Arbeit gaben. Danke!
Das ganze Jahr hat uns unser unvergessener Werner Zschiesche mit seinen informativen und der Heimat verbundenen Artikeln im Stadtanzeiger begleitet.
Schauen wir, was dann das Jahr 1993 bereit hält.

Königsbrück, den 21.11.2011