Damals vor 20 Jahren... 1995

Damals vor 20 Jahren
Das Jahr 1995
v. J. Loeschke
Bürgermeister a.D.

Auch im Jahr 1995 wurden einige „Infrastrukturweichen" für Königsbrück, aber auch für unsere umliegenden Gemeinden gestellt.
So haben wir uns mit Bebauungsplänen, Außenbereichs-und Klarstellungssatzungen sowie Vorhabens-und Erschließungsplänen beschäftigt, um für Bauwillige Baurecht zu erhalten. Es war (und ist noch immer) ein holpriger Weg mit vielen „Umweltsteinen", die es zu beseitigen galt. Erst heute können wir teilweise die Früchte unserer damaligen Anstrengungen ernten (z.B. Bohraer Str. , Grünmetzweg). Zu den Bauplätzen gehören auch Anschlüsse an öffentliche Ver-und Entsorgungsnetze, deren Neubau und Modernisierung seit 1994 erst richtig zum Laufen kam. So wurde die ganze Stadt nach und nach „aufgebuddelt", um möglichst alle Kanäle und Leitungen ohne wiederholtes „Aufbuddeln" in die Erde zu bringen, was manchen Verdruss erzeugte, aber insgesamt von unseren Mitarbeitern , den Planungsbüros und den ausführenden Firmen auch in Abstimmung mit unseren Versorgungsunternehmen und unseren Bürgern gut gelungen ist.

In diesem Zusammenhang gibt es auch erste Gespräche über den Bau der Fernwasserleitung aus dem brandenburgischen Tettau, die letztlich 1997 in Betrieb genommen werden konnte.
Auch die Erweiterung des Gasnetzes stand auf dem Programm, dessen Leitungen z.T. im sogenannten Bohrspülverfahren ohne großflächiges Aufreißen von Straßendecken erfolgte, aber leider manche Abwasserhausanschlussleitung durchbohrte mit entsprechenden Folgen.
Leider kam es im Zuge von Straßensperrungen und damit auch notwendigen Ampelregelungen an der Kreuzung Hoyerswerdaer Str./Weißbacher Str. zu einem folgenschweren Unfall, in dem ein LKW-Fahrer in seiner Kanzel nicht bemerkte, dass Frau Hanna Heßlich direkt vor seinem LKW die Straße überquerte und er beim Anfahren Frau Heßlich tödlich verletzte.
Auch erste Gespräche über die notwendige Rathaussanierung, vor allen Dingen die des Turmes nachdem ein Eckobelisk sich aus der Verankerung gelöst hatte und auf den Gehweg gestürzt war, wo er beinahe Herrn Jurisch schwer verletzt hätte. Allein der Schreck muss für Herrn Jurisch eine furchtbare Erfahrung gewesen sein.
In diesem Jahr werden auch aus Anlass des 50. Jahrestages der Beendigung des II. Weltkrieges im Stadtanzeiger drei Zeitzeugenberichte veröffentlicht, einer von Arthur Kießling über das Geschehen am Ende des II. Weltkrieges 1945 hier in Königsbrück, der fast 50 Jahre unter Verschluss im Kirchenarchiv lagerte, einer von Heinz Geier („Birkenkreuz und Stacheldraht") sowie der Artikel von Irmgard Lindner über ihre Erlebnisse beim Untergang Dresdens am 13./14.Februar 1945.
Nicht zuletzt erhält Heinz Kubasch am 08.11. für sein Engagement um den Umwelt-und Naturschutz auf Empfehlung von Ministerpräsident Prof. Biedenkopf die Verdienstmedaille zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz)
Was geschah nun in den einzelnen Monaten?

Januar 1995

Am 11.01. stellt Herr Kindermann den Bauantrag für den Lidl-Markt an der Kamenzer Str. am Standort der ehemaligen Wernerschen Ofenfabrik.
Am 12.01. gibt es wieder eine Bürgeranhörung zum geplanten 2. Bauabschnitt der Ortsumgehung mit Vertretern des Landratsamtes, des Regierungspräsidiums und Henry Nitzsche als damaligem Mitglied des Landtages. Die Grundstimmung in der Bevölkerung ist eindeutig, aber die Bestätigung der Linienbestimmung durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) in Bonn ist entscheidend (siehe 24.05.1995). In Gräfenhain wird die Baumaßnahme Dorfbachbrücke und Stützmauer entlang der Kreisstraße vom Auenwinkel aus vorbereitet.
Nachdem die Sanierungs und Modernisierungsplanungen für den sogenannten „GUS-Block" abgeschlossen sind, erfolgen erste Vergaben von Rohbaulosen, z.B. Abriss-und Entkernungsmaßnahmen durch den Stadtrat.
Mit dem Beginn der Bebauung von B-Plangebieten (z. B. Sandberg) musste eine Erschließungsbeitragssatzung im Stadtrat beschlossen werden. Ein Bauwilliger muss ja anteilig Kosten für die Straßenzufahrt einschließlich Straßenentwässerung und für die Straßenbeleuchtung entrichten. Dazu kommen noch die Abwasserbeiträge und Hausanschlusskosten für Wasser, Gas und Telekom, die an den jeweiligen Versorger zu entrichten sind.

Februar 1995

Es beginnen die Vorbereitungsarbeiten für die geplante Fernwasserleitung (FWL) von Tettau (Brandenburg) über Königsbrück (Hochbehälter) nach Lomnitz zum Hochbehälter Taubenberg, der Müllermilch zu versorgen hat. Die Verträge sind zwischen dem Trinkwasserzweckverband (TWZV) Kamenz, dem TWZV Röderaue und SAHO, dem Vertragspartner für „Müllermilch" in Leppersdorf, zu schließen. Das Dresdner Rechtsanwaltsbüro Peters&Partner unterstützte uns als Verband bei der Erarbeitung der Verträge. So wird z.B. zuerst ein „Letter of intent" für die beabsichtigte Kooperation erarbeitet.
Es begann eine intensive Verlegung von Ver-und Entsorgungsleitungen, so neben Abwasser-und Trinkwasserleitungen auch Gasleitungen, womit die Baumaßnahmen der Wohnanlage „Stenzer Gasthof", die Heizungsumstellung in der Grundschule und weitere Haussanierungen mit Heizungsumstellungen termingerecht abgesichert werden konnten.
Auch das Grundstück „Alte Poststr. 20" wird privatisiert und anschließend modernisiert.

März 1995

In der März-Stadtratssitzung erfolgen nach Auswertung der Angebote weitere Vergaben von Bauleistungen am „GUS-Block" Höckendorfer Straße 11.
Der Stadtrat beschließt auch einstimmig die Immobilie „Adler" nicht zu kommunalisieren.
Außerdem wird ein Grundsatzbeschluss über den Bau der Fernwasserleitung gefasst.
Erstmalig wird auch eine Ortspolizeiverordnung im Stadtrat beschlossen. Es wird auch beschlossen, das Stadtbad als „Betrieb gewerblicher Art" zu führen, womit wir zwar für unsere Eintrittsgelder Mehrwertsteuer abführen müssen, uns aber die erheblichen Mehrwertsteueranteile der Rechnungen für die Stadtbadinvestition vom Finanzamt zurückholen können, ebenso wie für alle zukünftigen Rechnungen von Fremdfirmen, die Arbeiten im Bad ausführen.
Am 14.03. erfolgt das Richtfest der Fa. Gey im Gewerbegebiet. Auch die Wohnanlage auf dem Gelände des ehemaligen Stenzer Gasthofes ist im Bau.
Da die probeweise Inbetriebnahme unseren zentralen Kläranlage bevor steht, ist die vom Abwasserverband erarbeitete „Technische Abwassersatzung" und die „Beitrags-und Gebührensatzung" vom Stadtrat und den Gemeinderäten des Verbandes per Beschluss nach eingehender Diskussion zu bestätigen.
Inzwischen erfolgte auch die Baugenehmigung für die Wohnanlage auf der Fläche der ehemaligen Ofenfabrik Werner. Der Aufbau der Wohnanlage startet dann im Juli. Einen „Nachruf" auf diese Fabrikationsanlage hatte Werner Zschiesche im Stadtanzeiger September 1994 veröffentlicht, nachdem der Abbruch begonnen hatte.
Auf dem noch zu Neukirch bzw. Weißbach gehörenden Teil des Kunathsberges erfolgte am 27.03. der erste Spatenstich für ein Wohngebiet. Auch das Gebiet muss mit Trinkwasser versorgt und Abwasser entsorgt werden.
Ende des Monats werden auch die neu erbauten Wohngebäude Marktstraße 2+4 fertiggestellt und können bezogen werden. Die Gewerbeeinheit wird dann fast 20 Jahre durch Schlecker genutzt und steht nun leider leer.
Auf einer weiteren zu Weißbach gehörenden an Königsbrück direkt grenzenden Fläche, genannt „Am Lindenberg" erfolgt ebenfalls der Baubeginn mit einem Mehrfamilienhaus. Der Pennymarkt stand schon und inzwischen sind auch Einfamilienhäuser entstanden.

April 1995

Der April ist gekennzeichnet von letzten Aktivitäten zur Schließung der Straßendecken nach Verlegung der Ver-und Entsorgungsleitungen, womit langsam wieder Normalität einzieht.
Am 19.04. wird unsere zentrale Kläranlage oberhalb des Grünmetzweges probeweise in Betrieb genommen. Die Entsorgungskanäle entlang der Großenhainer Str. und des Grünmetzweges mit dem Pumpwerk an der Furtbrücke konnten termingemäß ihrer Bestimmung übergeben werden. Das war eine tolle Leistung aller Beteiligten und für die Entwicklung unseres Gemeinwesens einschließlich der umliegenden Gemeinden ein wichtiger Baustein.
Anfang April beginnt das Baugeschehen am LIDL-Markt an der Kamenzer Str.
In diesem Monat liegt auch die Gasleitung bis zur Stenzer Schule.
Der Stadtrat beschließt in seiner April-Sitzung die Parkgebührensatzung und die Nutzungsgebühren für unsere Bibliothek.
Auch der Spendenaufruf für die Hochwasseropfer an Rhein, Mosel und Nahe wurde ausgewertet. 6000 DM waren gespendet worden bis hin nach Höckendorf. Vom Regierungspräsidium in Koblenz wurde dem Bürgermeister die Stadt Kirn an der Nahe als besonders betroffen genannt. Mit dem dortigen völlig überraschten Bürgermeister Fritz Wagner nahm ich dann Verbindung auf, um einen Übergabetermin Anfang Mai zu vereinbaren.

Mai 1995

In der Mai-Sitzung des Stadtrates wurden einige wichtige Beschlüsse gefasst, so die Vergabe der Arbeiten zur Gestaltung des Gräfenhainer Dorfplatzes, denn dieser soll zum Dorffest im August seiner Bestimmung übergeben werden.
Ein Hauptproblem in dieser Zeit war die termingerechte Fertigstellung der Hydrophorstation an der Lindenstraße, die mit ihrer Druckanlage die Trinkwasserversorgung des Gewerbegebietes und des Wohngebietes Höckendorfer Str./Großnaundorfer Str. und später bis hin zu RCS sichern sollte. Hier musste der Stadtrat notgedrungen einer Zwischenfinanzierung zustimmen, um den Bau zu realisieren und die notwendigen Leitungen zu verlegen. Das war eine komplizierte Angelegenheit. Letztlich haben alle ihr Wasser bekommen.
Der Stadtrat beschließt auch eine Sondernutzungssatzung für öffentliche Flächen, womit von der Stadt Gebühren erhoben werden können, wenn privat auf Antrag Stellflächen auf Gehwegen (Gerüste, Werbung) oder Straßenflächen (Containerplatz) zeitweise genutzt werden. Mit der bevorstehenden feierlichen Inbetriebnahme unseres Stadtbades musste eine Badsatzung samt Gebührensatzung beschlossen werden. Mit den vielen Satzungen hatte unsere Hauptamtsleiterin Frau Kühne allerhand zu tun, denn sie durften rechtlich nicht anfechtbar sein. Sie hat das mit Bravour gemeistert.
In diesem Monat werden auch erste Gespräche mit dem Dresdner Planungsbüro DDC, das auch den „GUS-Block" geplant hatte, über die Sanierung der 95 Wohneinheiten auf der Großnaundorfer Str. geführt. Bei diesen Vorbereitungen hat uns unser Freund und Berater aus Aidlingen Erich Schmidt mit seinem Erfahrungsschatz „Kosten dämpfend" unterstützt.
In diesem Monat begeht unser Kegelverein weiß-rot den 70. Jahrestag des Königsbrücker Kegelsports. Wer denkt da nicht an das Heinrichsbad oder die Anlage am Bahnhof aus vergangenen Zeiten, wo noch mit Kohle geheizt werden musste und immer AufstellerInnen akquiriert werden mussten. Die Älteren erinnern sich noch an die privaten Clubs mit Namen wie „Schiebe mit Liebe", „Fettsäcke", „Rollendes Glück", „Unter uns" oder nun der letzte Privatclub „'ne rechte Sorge". Mit großem persönlichen Aufwendungen haben die Kegler dann am Sportplatz mit Unterstützung der Stadt kurz vor der „Wende" die bestehende 4-Bahnen Automatikanlage erstellt und im November 89 eingeweiht.Aushängeschild sind jetzt natürlich unsere Kampfkegler von „weiß-rot" .
Am 02.05. übergibt Bürgermeister Loeschke die Hochwasserspende in Kirn an Bürgermeister Fritz Wagner. Diese Spende hat in der dortigen Region für viel Aufsehen gesorgt. Man wollte es kaum glauben, dass aus dem Osten eine Spende eingetroffen ist. Die positiven Folgen für die Hochwasser an Oder und Elbe in Form von über 200T€ Spenden aus diesem Gebiet hatte ich schon erwähnt.
Am 24.05. erhielt ich von Henry Nitzsche (MdL) einen Anruf, dass er über den Staatssekretär im Bonner Verkehrsministerium Johannes Nitsch die Information erhalten habe, dass die vorgesehene Linienführung unserer Ortsumgehung bestätigt worden ist, womit nun die planerischen Vorbereitungen weiter forciert werden können.

Juni 1995

Am 01.06. erfolgt die Bauabnahme der umfangreichen Baumaßnahmen ( Düker unter der Pulsnitz; Brückenbauten über Mühlgraben und Pulsnitz; Straßenwiederherstellung u.a. entlang der Großenhainer Str. und des Grünmetzweges in Anwesenheit des Baubetriebes ISTC, den Planern und Vertretern der Stadt. Ein paar Tage später wird das Betriebsgelände der Kläranlage ebenfalls technisch abgenommen und dem Betreiber AWATECH übergeben.
Auch die Brücke (Kamenzer Str.) über die Ortsumgehung wird in dieser Zeit abgenommen und zur Nutzung freigegeben. Alle Brücken sind Brücken des sächsischen Straßenbauamtes.
Im Zusammenhang mit dem LIDL-Bau wird auch die Einmündung der Gartenstraße in die Kamenzer Str. hinter den LIDL-Markt verlegt und zum Verkehr freigegeben.
Die Kanalbaumaßnahmen sind noch lange nicht abgeschlossen, denn es geht an der Hoyerswerdaer Str. /Käbnitz mit komplizierten Einbindungen weiter, ebenso am Anger, Furtweg, Steinborner Str./Heinrich Zille Weg, Wiesenweg und die Erschließung des Kunathsberges über den Rosseggerweg. Auch in Laußnitz werden Kanäle verlegt.
Wir haben wieder Glück, dass das Straßenbauamt (SBA) uns die noch zur B97 gehörenden Straßenzüge Marktstr., Alte Poststraße und später Weißbacher Straße asphaltiert , was die Denkmalschützer auf den Plan ruft, unser Stadtrat aber trotzdem die Beschlüsse dazu fasst.
Am 24.06. wird nun offiziell das sanierte und modernisierte Stadtbad als kleines Erlebnisbad mit einer ca. 40m langen Rutsche unter großer Anteilnahme unserer Bürger eingeweiht. Über das finanzielle „Handling" ist schon berichtet worden.
In diesem Monat geben wir unsere kommunalen Anteile an dem Energieversorgungsunternehmen ESAG (jetzt ENSO) in einen kommunalen Pool ein (KBO). Damit erhält die Stadt jährlich Ausschüttungen von ca. 200 TDM = 100T€.
In diesem Monat erfolgt auch die Zuschlagserteilung für die Heizungsumstellung in der Grundschule.

Juli 1995

Am 01.07. ist der „GUS-Block" nach nur reichlich 6-monatiger Bauzeit bezugsfertig. Die Abwasserentsorgung musste vorerst provisorisch erfolgen, was uns etliches Kopfzerbrechen bereitet hatte. Letztlich funktionierte es mit guten Ideen der Mitarbeiter. Mit dem Bezug der Wohnanlage konnten andere kommunale Einzelstandorte „freigelenkt" werden, um sie zu privatisieren und damit Investitionen auszulösen ( z.B. Bahnhofstr.12)
An der Gartenstraße beginnt der Bau der Wohnanlage mit ca. 40 modernen Wohneinheiten.
Auch die Wohnanlage am ehemaligen Stenzer Gasthof ist im Bau.
Am 17.07. wird der Planungsstand der Ortsumgehung (OU) vom beauftragten Dresdner Büro VIC vorgestellt, nachdem die Linienbestimmung in Bonn erfolgt war.
Am 21.07. erfolgt das Richtfest am neuen Standort des LIDL-Marktes. Auch gab es erste Kontakte mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wegen des Neubaus eines Pflegeheimes und der vorherigen Übernahme unseres kommunalen Pflegeheimes an der Dresdner Str. in Trägerschaft des ASB.
In den Ferien erfolgt die Heizungsumstellung auf Erdgas in der Grundschule, womit im Kellergeschoss die Voraussetzungen für die Einrichtung eines dringend benötigten Turnraumes geschaffen werden.
Am 31.07. wird die Königsbrück-Info unter Leitung von Sonita Bellinghausen in Personalunion mit der Leitung des Jugendclubs eröffnet. Die Stadt ist damals Mitglied in der Touristischen Gebietsgemeinschaft in Pulsnitz.

August 1995

Am 17.08. beginnen die Bauarbeiten am Schlossberg mit der Sanierung der desolaten Schlossbergmauer, dem später die Anlage des Gehweges und die Neupflasterung des Schlossberges folgt, was aber erst 1996 abgeschlossen werden kann.
Kurz zuvor am 12.08. zieht die Diakonie-Sozialstation vom Markt 4 in das Rentamt am Schlossberg 1 um. Die Planungsunterlagen für die Sanierung und Modernisierung des Gebäudes hatte der Weikersheimer Stadtbaumeister Alfred Wehr für die Kirchgemeinde erstellt. Heute hat dort unser Ministerpräsident sein Wahlkreisbüro neben einem Pilgerquartier etabliert.
Es beginnt der Abriss des brandgeschädigten Hauses von „Schokoladenkaiser" mit anschließender Neubebauung u.a. mit dem Einzug der Volksbank und dm Ingenieurbüro GfI von Egon Schöne.
Es sind auch erste Vorbereitungen für die Bildung eines Eigenbetriebes „Königsbrücker Wohnungswirtschaft" im Gespräch.
Am 13.08. findet das aller vier Jahre fällige Gräfenhainer Dorffest mit großem schön gestaltetem Umzug statt, diesmal mit Übergabe des neu erstandenen Dorfplatzes samt sanierten Wohn-und Geschäftshauses.
Der Stadtrat fasst in seiner August-Sitzung 19 Beschlüsse, darunter auch für die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Röhrsdorf.

September 1995

Am 01.09. nimmt nach dem erfolgreichen Probelauf in Anwesenheit von Umweltminister Arnold Vaatz und dem parlamentarischen Staatssekretär in Bonn Ullrich Klinkert (MdB) die Kläranlage offiziell ihren Betrieb auf. Wir können auf eine gute Zusammenarbeit erst mit dem privaten Betreiber AWATECH und später mit der Fa. OEWA in den vergangenen 20 Jahren zurückblicken. Diese Investition hat die Modernisierung des Gebäudebestandes, aber auch Neubauten in unserer Stadt und den umliegenden Gemeinden erst möglich gemacht.
Am 14.09. wird der Wasserliefervertrag zwischen der WAL (Wasser-Abwasser-Lausitz) in Senftenberg und uns 3 weiteren Partnern ( zwei Trinkwasserverbände und SAHO/Müllermilch) unterzeichnet. Diesem müssen dann auch noch die Stadt-und Gemeinderäte der Verbände zustimmen. Diese vom Freistaat Sachsen mit 80% geförderte Investition ist ein weiterer Meilenstein der Modernisierung unserer Infrastruktur und der Versorgungssicherheit.
Das erste Königsbrücker B-Plangebiet „Am Sandberg" kann nun erschlossen und damit Bauland zur Verfügung gestellt werden.
Im September werden auch die Grundsatzbeschlüsse zur Sanierung unseres Rathauses und zur Ansiedlung des ASB- Pflegeheimes gefasst. Auch die Freigabe von Sanierungsgeldern für Grundstücke der Innenstadt (z.B. Markt 13; Hoyerswerdaer Str.12 und Alte-Poststraße 20) wird beschlossen. Es werden auch Marktstr. und A.-Poststraße vom Straßenbauamt Meißen asphaltiert.
Am 08.09. gedenken wir des 150. Todestages der Gräfin Louise von Hohenthal.
Am 09.09. begeht die Fa. Mercedes-Schreyer den 70. Jahrestag ihrer Gründung, leider nun in Ottendorf-Okrilla.
Am 15.09. wird unsere Fotografen - „Legende" Walter Schmidt 95 Jahre.
Am 28.09. beginnt die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Röhrsdorf.

Oktober 1995

Am 03.10. begingen wir wieder unser traditionelles Oktoberfest, welches diesmal von der „Priviligierten Schützengesellschaft" und dem Gewerbeverein organisiert wurde. Die Schützen feierten ihr - mit DDR-Unterbrechung - 225-jähriges Bestehen mit einer von beiden Pfarrern eingesegneten neuen Schützenfahne im Beisein unserer ehemaligen Standesherrin Freda Naumann zu Königsbrück und ihrem Sohn Professor Dr.Claas Naumann. Das alles fand auf dem Schlosshof statt. Plötzlich gab es Unruhe unter den Anwesenden, denn außerhalb des Programms wurde ein mit Stroh und Heu gepolsterter und mit einer Plane abgedeckter Wagen durch das Tor in den Schlosshof transportiert, begleitet von jungen Mädchen und......Werner Lindner. In einer feierlichen Zeremonie enthüllten die Mädchen zwei historische Kanonenrohre, die vor den kommunistischen Bilderstürmen versteckt worden waren. Bis heute ist es ein Geheimnis geblieben, wer diese Kostbarkeit aufbewahrt hatte. Das Erstaunen aller Anwesenden kann sich jeder vorstellen und die Freude unserer Schützen auch. Es dauerte nicht lange bis die restaurierten Rohre mit den neu gefertigten Lafetten mit Böllern unsere Feste „einläuteten". Die Schützen aus Hainbronn mit Michael Overbeck waren auch anwesend und diese Schützenfreundschaft wird noch heute gelebt.
Auch Bürgermeister Fritz Wagner aus Kirn besucht uns am 03. Oktober. Wir nutzen den Tag um gemeinsam die „Kirner Linde" im jetzigen Kindergarten „Regenbogen" zu pflanzen, die inzwischen prächtig gediehen ist. Es war ein Dankeschön für die „Spende aus dem Osten", die so große Furore im Rheinland ausgelöst hatte. Später besuchten sich unsere Feuerwehren auch gegenseitig. Die Kirner waren einige Jahre beim Faschingsumzug präsent.
Am 06.10. finden erste Gespräche über die Problematik unseres „Neuen Lagers" mit der Dresdner Konversionsgesellschaft GKS statt. Unser Ziel ist es, mit möglichst wenig städtischen Finanzmitteln unter Nutzung europäischer (Konverprogramm) und sächsischer Fördermöglichkeiten das Gefahrenpotential, welches von den desolaten Gebäuden ausgeht, weitestgehend zu reduzieren. Es wurde eine „Herkulesarbeit" für unsere kleine Verwaltung.
Am 21.10. wird erstmals ein „Tag der offenen Tür" auf der Kläranlage unter reger Anteilnahme unserer Bürger durchgeführt. Inzwischen sind zwei Königsbrücker Bürger für die Betreuung der Anlage eingestellt worden, so Ralf Messerschmidt, unser Chef der FFW, und Elektromeister Seifert. Unsere Bürger können sich von dem hervorragendem Zustand der Anlage überzeugen und erhalten auf alle Fragen eine Antwort. Bis heute ist die Anlage in einem Top-Zustand.
Am 27.10. geht die Hydrophorstation an der Lindenstraße zur Versorgung des Gewerbegebietes und des „Wodkahügels" und später auch von Laußnitz mit Trinkwasser in Betrieb. Es wurde höchste Zeit.
Am 28.10. eröffnet das Louisenstift eine Außenwohngruppe in unserem ehemaligen Kindergarten auf der Bergstraße 3, wodurch auch ehemalige Erzieherinnen wieder eine Arbeit erhalten.
Am 25.10. begann der Rückbau des Rathausturms, nachdem das bereits im Vorspann geschilderte Ereignis des Absturzes eines Obelisken uns zum Handeln zwang. Zuerst wurde im Beisein eines Vertreters des sächsischen Denkmalschutzes die Turmkugel samt Inhalt abgenommen. Sie enthielt verschiedene historische Dokumente, so auch die Namen der Handwerker, die 1926 letztmalig am Turm gearbeitet hatten, z.B. den von Klempnermeister Neumann. Die Fa. Fuchs& Girke aus Dresden, die auch an der Frauenkirche tätig wurde, übernahm den fachgerechten Rückbau wie auch später den Wiederaufbau der Sandsteinkuppel. Damit wurde die Sanierung des Rathauses eingeleitet.

November+Dezember 1995

Am 01.11. wird Frau Kolbe für ihre 25 – jährige Zugehörigkeit zur Stadtverwaltung geehrt. Sie hat viele freudige, aber auch traurige Anlässe im Amt begleitet. Sie war auch in ihrer Dienstzeit die „Mutter" der Königsbrücker Feuerwehr.
Am 02.11. eröffnet der LIDL-Discounter an der Kamenzer Straße 30 am neuen Standort. Inzwischen bezog der LIDL-Markt 2009 seinen 3. Standort mit größerer Parkfläche.
Am 09.11. eröffnet die Fa. Elektro-John ihr Geschäft am Markt, was uns bis heute mit Elektrowaren gut versorgt, was hoffentlich auch so bleiben wird.
In der Nacht vom 11.zum 12. 11. werfen Rowdys 40 Grabsteine auf dem Friedhof um. Man fragt sich, wer so pietätlos sein kann?
Am 15.11. erhält der Kindergarten am Grenzweg seinen heutigen Namen „Rappelkiste". Nun (2014/15)wird auch hier angebaut, weil die Einrichtung „rappelvoll" ist.
Durch den Zusammenschluss mit Gräfenhain und Röhrsdorf machen sich Änderungen von Straßennamen notwendig, so wird u.a. die Park-und Barackenlagerstraße in „Am Schloßpark" umbenannt, so auch die ehemalige Talstraße in „Am Auberg". In Gräfenhain gibt es nun den „Auenwinkel" und in Röhrsdorf die Straße „Zur Siedlung".
Inzwischen werden auch die letzten Straßensperrungen an der Käbnitz, am Anger und Hohlweg sowie Rosseggerweg aufgehoben, da die Arbeiten am Kanalbau und an den Straßenwiederherstellungen erfolgt sind.
Anfang Dezember beginnen die Vorbereitungen für die Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges für unsere Feuerwehr, welches 1996 in Dienst gestellt wird.
Der Stadtrat beschließt nun auch die Bildung eines Eigenbetriebes „Königsbrücker Wohnungswirtschaft" ab 01.01.1996.
Der Stadtanzeiger wird ab 01.01.96 50 Pfennig kosten, der später leider auf Wunsch von Laußnitz und Neukirch, die den Stadtanzeiger mit nutzen, kostenlos erscheint.
Die Trinkwasserpreise müssen auch angehoben werden, um die Finanzierung des Verbandes nicht zu gefährden. Es wird der Grundpreis als verlässliche konstante Einnahme erhöht werden, da mit Reduzierung der Einwohnerzahlen z.B. durch Wegzug, aber auch mit sparsameren Wasserverbrauch die Einnahmen aus dem Verbrauchspreis sinken. Der Verbrauchspreis wird dennoch etwas gesenkt . 80% der TW-Kosten sind Kosten aus Investitionen, die über den Grundpreis abzufangen sind. Insgesamt ist die Preisveränderung moderat.
Am 03.12. steigt die mit der Kreisreform notwendig gewordene Kreistagswahl. Da die Kreise „Dresden Land" und Bischofswerda u.a. aufgelöst werden. Damit ändern sich die Kreiszuschnitte der Kreise Kamenz, Bautzen und auch Meißen/Großenhain, was Neuwahlen notwendig macht. Es wird nicht die letzte Kreisreform sein!
In Gräfenhain bahnt sich Unruhe an. Es wird eine Bürgerinitiative gegen den geplanten Gesteinsabbau in den vorgesehenen Dimensionen gegründet. Bis heute konnte das zerstörerische Konzept (Abtransport mit 40t-LKW's) verhindert werden.
Das war das aufregende von unzähligen Baumaßnahmen geprägte Jahr 1995. Von diesen wichtigen Investitionen profitieren wir heute, indem neue Häuser ver-und entsorgt werden können, bestehende Häuser saniert und modernisiert werden und damit gute Wohnbedingungen existieren, ebenso wie moderne Freizeitanlagen und kommunale sowie private Einrichtungen der Daseinsvorsorge und natürlich auch Gewerbebetriebe.

Schauen wir mal, wie es 1996 weitergeht.