Damals vor 20 Jahren..... 1994

Damals vor 20 Jahren..... 1994
Jürgen Loeschke – Bürgermeister a.D.

Januar 1994:

Ab 01. Januar 1994 hat sich Gräfenhain unserem Gemeinwesen als Ortsteil angeschlossen. Bis zur Kommunalwahl am 12.06. werden die Gemeinderatsmitglieder in den Stadtrat integriert so wie ab 01.04. auch die Röhrsdorfer.
Im Jahr 1994 wurden einige wichtige Weichen für unsere Infrastruktur-Entwicklung gestellt.
So wurde ein Erbbaurechtsvertrag mit Heimfallklausel über das Kläranlagengrundstück mit der Fa. AWATECH beim Notar unterzeichnet. Der Bau der Kläranlage konnte aber erst beginnen, nachdem die Fördermittelzusage vom Regierungspräsidium bei uns eingegangen war. Die öffentlich ausgeschriebene private Betreibung der Kläranlage war ein Novum in Sachsen und damit ein Pilotprojekt.
Ab Januar übernimmt die Kommunale Wasserwirtschaft in Kamenz die Geschäftsbesorgung für den Trinkwasser-Zweckverband (TWZV) Kamenz und verhandelt mit dem damaligen Wasser-und Abwasserbetrieb (WAB), dem bisherigen zentralen Versorger aus DDR-Zeiten über eine Teilbetriebsüberlassung, um die Gebührenhoheit zu erlangen und damit u.a. auch Investitionen finanzieren zu können. Das war sachsenweit ein langwieriger Prozess, bis die bestehenden oft maroden Anlagen in den Besitz der verschiedenen Zweckverbände für Trinkwasser und Abwasser übergeben werden konnten, denn die WAB musste in diesem Zusammenhang auch aufgelöst werden, wovon auch Mitarbeiter betroffen waren.
Auch die Telecom beginnt massiv mit der Verlegung von Glasfaserkabeln, nachdem der Standort für die Relaisstation an der Ortsumgehung gesichert war.
Ab 01.01.94 übernimmt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die gerontopsychiatrische Einrichtung in unserem Schloss.
Am 01.01. 94 tritt Oberstarzt Dr.Heiko Welsch seinen Dienst als Chef unseres Flugphysiologischen Instituts an, welches als Abteilung II der Einrichtung in Fürstenfeldbruck geführt wird. Seiner Konsequenz im Einsatz für unser Institut ist es mit zu verdanken, dass der Bestand des Institutes letztlich gesichert wurde. Mit großem Engagement war er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 im Institut tätig..
Im Januar erhalten wir auch die Auswertungen unserer Anfrage bei der Gauckbehörde über evtl. Stasitätigkeit von Stadträten oder städtischen Mitarbeitern. Alfred Wenzel war als damaliger Stadtverordneten-Vorsteher zur Vertrauensperson vom Stadtrat bestimmt worden. Leider mussten auch Konsequenzen gezogen werden.
Am 01.01. 94 besteht unsere Königsbrücker Sparkasse 175 Jahre. Sie wurde unter Gewährträgerschaft von Peter-Karl von Hohenthal 1819 gegründet und ist somit die älteste Sparkasse Sachsens.
Am 09.01., mancher wird sich noch daran erinnern, war der

„Letzte Tanz im Stenzer Gasthof"

angesagt. Leider musste der schöne Jugendstilsaal einer neuen Wohnnutzung des Areals weichen, aber die neue Zeit konnte nicht alles erhalten. So manche(r) erinnerte sich mit Wehmut an vergangene Tanzabende mit primitiven Sanitäranlagen. Der Männerchor und
Werner Lindner trugen dazu bei, damalige kulturelle Beiträge wieder aufleben zu lassen, so das „Heedelbeerlied" mit Georg Lindner u.a. Sängern. Früh gegen 5Uhr verließen die letzten Gäste diese wehmutsvolle, aber gelungene Veranstaltung, bevor die Bagger später „zuschlugen".
Im Januar wird auch der Bau einer teuren aber notwendigen Bohrpfahlwand am Badweg begonnen, um das wenig tief gegründete Eckhaus Weißbacher Str.23 für den bevorstehenden Kanalbau zu sichern. Im Januar ist auch Baubeginn zur Sanierung des Wohnhauses Curt-Tausch-Str. 2.

Februar 1994

In Gräfenhain „rumort" es wieder, denn die Fa. Macadam und später die Fa. Neißekies wollen in dem vom Landesentwicklungsplan (LEP) als Vorranggebiet für Granitabbau deklarierten „Großen Bruch" 1000 t Schotter/Tag gewinnen und mit 40 t - Kippern abtransportieren. Es bildet sich eine Bürgerinitiative, um der mit diesem Vorhaben vorprogrammierten erheblichen negativen Beeinträchtigung ihres Ortes entgegen zu wirken. Es dauert einige Zeit bis auch auf das Drängen der Stadtverwaltung das Vorranggebiet aus dem LEP herausgenommen wird, denn Bergrecht steht vor allen anderen Rechten, so die damalige Aussage von Landrätin A. Fischer.
Am Kunathsberg plant eine Königsbrücker Investorengemeinschaft ein Wohngebiet, welches damals auf Weißbacher Flur lag. Heute stehen schmucke Einfamilienhäuser auf dem Gelände, welches später zur Gemeindegebietsreform 1999 nach Königsbrück zum Leidwesen der Weißbacher umgemeindet wurde.
Am 11.02. findet ein erstes Gespräch über den geplanten Bau der Fernwasserleitung (FWL) von Tettau über Königsbrück nach Lomnitz im Regierungspräsidium (RP) statt.
Auch auf unserem Immobilienmarkt ist Bewegung. So gibt es einen Investor für die desolaten Grundstücke Marktstr.2+4, die im Mai vom damals noch tätigen Spezialbau abgerissen werden und anschließend entstehen Wohneinheiten und ein Ladenlokal der Schleckerkette, das nun leider Opfer der Schlecker-Insolvenz geworden ist..
Der „Russenblock" auf der Höckendorfer Str. steht auf einem Grundstück, welches Alteigentum der Stadt war und damit „schenkte" man der Stadt auch den ganzen Block im Rahmen der Eigentumszuordnung. Was nun damit anfangen? Noch herrscht Nachfrage nach modernisierten Wohnungen und so beschloss der Stadtrat, eine Sanierungsplanung dem Büro Dorsch-Consult in Dresden in Auftrag zu geben. In diesem Zusammenhang stand auch die Frage der Abwasserentsorgung für den gesamten „Wodkahügel", die später über zwei Kanalführungen realisiert wurde. Ein Kanal wurde grundbuchmäßig gesichert durch den jetzt noch desolaten Teil der Prinz-Georg-Kaserne verlegt.
Das Grundstück Schlossstraße 3 findet auch einen Investor. Der Adler wird von der Treuhand versteigert, aber der Investor hatte sich mit seinem Konzept übernommen. Es ist eine langwierige Angelegenheit bis zum heutigen Tag!!
Das Landratsamt erklärt sich bereit, die desolate Stützmauer unter den Gärten oberhalb der Hoyerswerdaer Str. zu sanieren, was letztlich auch realisiert wurde.
Am 06.02. wird das sanierte katholische Pfarrhaus auf der Höckendorfer Str. seiner Bestimmung übergeben.
Unser Karnevalclub musste wieder, diesmal nach Reichenbach, auf Reisen gehen, aber der Umzug fand wie geplant mit großem Erfolg in Königsbrück statt.

März 1994

Am 10.03. findet im Kindergarten Bergstraße eine Elternversammlung statt, da wir bedingt durch den Geburtenrückgang die 3. Kindereinrichtung schließen müssen. Es war nicht einfach, das vermitteln zu müssen. Letztlich sind alle Kinder in den zwei noch bestehenden Einrichtungen untergekommen und auch ein Teil der Mitarbeiter wurde später von der Louisenstift GmbH, die das Gebäude zur Nutzung übernahm, eingestellt.
Am 02.03. registrieren wir einen dreisten Einbruch in unserer Mittelschule.
Am 23. 03. findet eine Einwohnerversammlung bez. unseres innerstädtischen Sanierungsgebietes =Untersuchungsgebiet statt, auf der mitgeteilt wurde, dass das bisher erfolgreich wirkende Landessofortprogramm des Freistaates von einem seit 1972 bestehenden ebenso erfolgreichen Bund-Länder-Stadtsanierungsprogramm abgelöst wird. Hier gibt es eine sogenannte 3/3 -Förderung (1/3 Bund; 1/3 Land; 1/3 Stadt). Es wird auch nochmals darüber informiert, dass nach Abrechnung des Sanierungsgebietes (2013-15) ein
Ausgleichsbeitrag von den Grundstückseigentümern erhoben wird, bei dem nur die öffentlichen Maßnahmen im Sanierungsgebiet in die Berechnung des neuen Grundstückswertes einbezogen werden (Straßenbau, Gehweg-Sanierung, Platzgestaltung,
Straßenbeleuchtung).
Am 29.03. sprach erstmalig Prof. Rudolf Sitte (+2009) im Rathaus vor. Er wird notgedrungen in eine der neuen Wohnungen an der Mühlstr. einziehen, da sein bisheriges Domizil in Dresden einer Restitution (Rückführung von Alteigentum) unterlag. Er spielte mit dem Gedanken, Dietzens ehemalige Keramikfabrik für die kreative Beschäftigung arbeitsloser Jugendlicher zu nutzen. Leider verkannte er die komplizierten Abläufe bei Eigentumsfragen in der neuen Zeit und auch die Problematik der Arbeitssicherheit, die für sein Vorhaben nicht zu „stemmen" waren. Er hatte mit dem Architekten Dr. Wolfgang Hänsch (+2013) viel im Rahmen von Dresdner Bauprojekten und den damals üblichen 5% der Bausumme für „Kunst am Bau" zusammen gearbeitet. Sein Hauptbetätigungsfeld war die Kunstkeramik mit einer eigenen Note. Sein Motto hieß: „Ein Leben für die Katz!"
Im März begann auch der 2. Bauabschnitt der Sanierung und Modernisierung unseres Stadtbades.

April 1994

Mit unseren Plänen, Bauwilligen Baurecht zu verschaffen, stießen wir auf nicht nachvollziehbare Widerstände seitens des Naturschutzes. So blockierte simples Silbergras die B-Pläne an der Bohraer Str. Ein verwilderter Garten und 3 Birken an der Forststraße wurden zum Biotop hoch stilisiert. Inzwischen wurden ringsum in Laußnitz, Reichenau, Weißbach (Kunathsberg) und in Schmorkau sogar im Außenbereich Eigenheime gebaut( wir erhielten am Hufenweg in diesem Falle keine Genehmigung für eine Familie, auf deren eigenem schon bebautem Grundstück).
Daraufhin wurde ich im Regierungspräsidium vorstellig, um mich über die Schikanen zu beschweren. Es gab speziell mit einem RP-Mitarbeiter eine harte Auseinandersetzung, bei der er vor mir das Baugesetzbuch auf den Tisch knallte.. Ich sorgte dann für seine Versetzung. Von gut informierten Kreisen wurde ich dahingehend gewarnt, dass wir in Königsbrück bez. des Naturschutzes und unserer geplanten Bauaktivitäten noch viel Ärger bekommen würden (siehe Grünmetzwehr). Wir haben dadurch etliche Jahre verloren. Erst jetzt sehen wir langsam den Erfolg unserer Bemühungen.
Am 01.April 1994 wurde Röhrsdorf auf eigenen Wunsch in unser Gemeinwesen aufgenommen und die damalige Bürgermeisterin Frau Klingebiel im Hauptamt als Mitarbeiterin eingesetzt. Ich glaube, dass die Röhrsdorfer diesen Schritt nicht bereut haben,
denn es hat sich doch einiges im Dorf seitdem getan (saniertes Dorfgemeinschaftshaus (DGH), Parkanlage, Abwasser, Trinkwasser u.a.)
Am 07.04. besucht die Staatssekretärin im Bundes-Verteidigungsministerium Michaela Geiger (+) unsere damalige Außenstelle für Flugphysiologie der Bundesluftwaffe.
Am 22.04. vollzieht Bernd Hörig den ersten Spatenstich für den neuen Firmensitz im Gewerbegebiet. (Vom Trabi zu VW und Audi war ein großer gewagter Schritt. Gratulation!)
Am 30.04. eröffnet auch die Glaserei Röthig in Stenz ihre erweiterte Werkstatt. So ist unsere Stadt von vielen mittelständischen Firmen unterschiedlichster Branchen geprägt.

Mai 1994

Die größte Investition in diesem Jahr sind die Verlegungen von Trink-und Abwasserleitungen die gesamte Großenhainer Str (Staatsstr.S100) und weiter den Grünmetzweg entlang mit komplizierten Einbindungen an der Marktstraße und der Käbnitz, sowie dem Verlegen des Dükers unter der Pulsnitz. Das Büro IPRO aus Dresden ist der Planer des Projektes, welches mit der Submission in diesem Monat beginnt. Problem dabei ist, dass der Abwasserkanal pünktlich mit der Fertigstellung der Kläranlage betriebsbereit sein muss. Projektkoordinator war Dr. Harz mit seinem Dresdner Planungsbüro. Die Fa. ISTC aus Cottbus erhielt nach der Submission den Zuschlag für die Ausführung der Arbeiten.
Am 26.05. findet eine Einwohnerversammlung zum Thema Abwasser – 3Wochen vor der Kommunalwahl – statt. Unsere Bürger sind verunsichert, denn laufend gibt es Meldungen in der Presse über aberwitzige Kosten und Gebühren bei Abwasserprojekten. In der Versammlung wurde auch „Stimmung" gemacht mit der Verteilung eines Pamphlets, aber letztlich haben unsere Bürger den wohl durchdachten Planungen vertraut.
Am 30.05.94 erfolgt der erste Spatenstich auf dem zukünftigen Gelände der Kläranlage oberhalb des Grünmetzweges. Diesen Standort schlug in einer Sitzung des Technischen Ausschusses unser sachkundiger Bürger Gerhard Kunze vor. Wenn der Standort wie in vielen Verbänden in der Tallage der Pulsnitz liegen würde, wäre er wohl schon einige Male überschwemmt worden. Beim Spatenstich waren zugegen: Regierungspräsident Dr. Helmut Weidelener, Landrätin A. Fischer, Herr Dr.Hielscher als damaliges FDP-Mitglied im Landtag ,die Bürgermeister der Verbandsgemeinden, einige Stadt-und Verbandsräte, Herr Suckert vom privaten Betreiber AWATECH sowie zahlreiche Bürger des Verbandsgebietes. Ein Jahr später stand ein funktionierendes Abwassersystem zu verträglichen Preisen in Königsbrück und den Verbandsgemeinden zur Verfügung. Es wurde in den Folgejahren kontinuierlich ausgebaut bis zum heutigen Stand. Bereits in diesem Jahr wird die Abwasser-Pumpleitung von Laußnitz über das Gewerbegebiet zum Hauptsammler auf der Großenhainer Str. gebaut.
Im Mai wurden auch erste Verhandlungen über die Lieferung von Fernwasser aus dem brandenburgischen Wasserwerk Tettau zwischen dem Lieferer WAL (Wasser/Abwasser/Lausitz) und den Trinkwasserzweckverbänden (TWZV) Kamenz und Röderaue auch in Anwesenheit von Vertretern des Regierungspräsidiums und des Umweltministeriums geführt. Dazu bedarf es eines 3-seitigen Vertrages, aber auch eines Staatsvertrages zwischen Brandenburg und Sachsen. Hier unterstützte uns juristisch Herr Rechtsanwalt Peters aus Dresden. Auch das war ein langwieriger Prozess.
Am 28.05. findet die Königsbrücker Gewerbeschau statt. Während der Veranstaltung bricht auf der Louisenstr. 4 ein Brand im Dachgeschoss aus. Letztlich ist das ehemalige Haus von „Kaisers Schokoladenladen" durch Brand-und Wasserschäden unbewohnbar geworden.
Die Stadt musste den Bewohnern Übergangswohnungen zur Verfügung stellen. Zum Glück kam kein Mensch zu Schaden. Heute ist die ganze Ecke mit der Volksbank, den Büroräumen der GfI und Wohneinheiten neu bebaut. Hier ist der Initiative von Egon Schöne (+2011) großer Dank zu zollen.
Auf unseren Aufruf hin, für die Gedenksteine der Opfer des II.Weltkrieges und der Gewaltherrschaften zu spenden, erreicht uns eine großzügige Spende des ehemaligen Königsbrücker Bürgers Dr. Bodo Rischke (+2004) aus Lahstedt-Gadenstedt (Niedersachsen) in Höhe von 2500 DM.

Juni 1994

Der Investor für das Baugebiet „Am Lindenberg" (Gem. Neukirch) wird vorstellig und erläutert sein Projekt mit dem Pennymarkt, einem Mehrfamilienhaus und Eigenheimstandorten. Da das Gebiet genau wie das Gebiet am Kunathsberg direkt an unsere
Gemarkung angrenzt, ist das gemeindliche Einvernehmen der Stadt Königsbrück durch Neukirch einzuholen. Inzwischen ist das Baugebiet bis auf einige Eigenheimstandorte belegt und gehört seit 1999 mit der Gemeindegebietsreform auch zu Königsbrück.
Es werden auch sogenannte ABS-Gesellschaften gegründet, die im Rahmen von Arbeitsförderprogrammen mit arbeitslosen Bürgern z.B. Abrissarbeiten auf unseren Militärliegenschaften im Auftrag des Bundes oder des Freistaates ausführen. Leider werden diese Arbeiten bald beendet. Die Gründe blieben im „Dunklen".
Am 01.06. findet nochmals eine Anliegerversammlung zur Kanalbaumaßnahme an der Großenhainer Str. und am Grünmetzweg statt. Der gesamte Bauablauf wird auch zeitlich erläutert und die Anwohner können ihre Fragen stellen. Die ausführende Firma ISTC und die Mitarbeiter der Stadt sowie das Planungsbüro stehen dafür zur Verfügung. Letztlich verläuft die Baumaßnahme ohne größere Probleme, aber natürlich mit Einschränkungen.
Am 01. 06. wird zum Kindertag auf dem Spielplatz an der Gartenstraße den Kindern eine Rutsche übergeben. Der Bürgermeister „rutscht" die Rutsche ein, die von Herrn Kindermann (+2013) finanziert wurde, da er auf dem Gelände des Wohnungsbaukomplexes an der Garten-und Mühlstraße für die Rutsche keinen Platz finden konnte. Unsere Stadt hat Herrn Kindermann (+)mit seinen Aktivitäten im Wohnungs-und Gewerbebaubereich viel zu verdanken.

Am 10.06. erfolgt die Übergabe des sanierten Bad-und Feuerweges . Das ist ein „kleiner" Unterschied zum Urzustand. Auch hier kommen Stadtsanierungsmittel zum Einsatz. Auch ein Kanal wurde zwischen Weißbacher Str. entlang im Badweg und der Käbnitz zur Großenhainer Str. verlegt.
Am 12.06. sind Kommunalwahlen angesetzt. Erstmals wird der Bürgermeister direkt von den Bürgern gewählt.
J. Loeschke erhält 65% der abgegebenen Stimmen und kann damit die nächsten 7 Jahre – auch das ist neu – die Geschicke der Stadt mit dem auch für jetzt 5 Jahre neu gewählten Stadtrat lenken und leiten. Die DSU erhält 10 Mandate, die FWK 6, die SPD 1 und die PDS 1 Mandat.

Juli 1994

Zum 01.07. 1994 wird der Königsbrücker Bürgermeister von der Verbandsversammlung zum Verbandsvorsitzenden des TWZV Kamenz gewählt. Bürgermeister Brandt (Elstra) stellt dieses Ehrenamt zur Verfügung, da der Schwerpunkt der Investitionen mit der
Fernwasserleitung in den nächsten Jahren in der Königsbrücker Region liegen wird und damit kürzere Informationswege bestehen. So ist z.B.der 3-seitige Wasserlieferungsvertrag in Arbeit.
Dieser Monat ist angefüllt mit Bauaktivitäten im Abwasser - und Trinkwasserbereich, sowie mit vorbereitenden Planungen u.a. für neue Wohngebiete auf noch Weißbacher Flur.
Im Juli wird die Sanierung des Wohngebäudes C.-Tausch-Str. 2 abgeschlossen, sodass die Stadt 5 Wohneinheiten und 1 Gewerbeeinheit anbieten kann. Wir versuchen damit auch andere Gebäude durch Umzug frei zu lenken, um diese einer Sanierung zuführen zu können . Der Abriss des Stenzer Gasthofs und etwas später der alten Ofenfabrik sind im Gange. Ohne eine funktionierende zentrale Kläranlage wäre der Bau der beiden auf den Abrissflächen vorgesehenen Wohnanlagen nicht möglich gewesen. Nicht nur in diesem Jahr konnte man sagen, dass „Abriss auch Fortschritt" sein kann, denn auch die Jahre 1999/2000 und 2005 waren davon geprägt.

August 1994

Im August wird von Dr. Harz die Globalberechnung für den zu erwartenden Abwasserbeitrag im Verbandsgebiet vorgestellt. Berechnet werden nur bebaubare Flächen und die baurechtlich mögliche Geschosszahl. Das ist ein aufwändiges Rechenverfahren, in dem jedes Grundstück einzeln bezüglich seine Bebaubarkeit betrachtet werden muss. Dabei werden speziell im ländlichen Raum Abgrenzungen bez. der Garten- und Feldnutzung (auch Streuobstwiesen) vorgenommen. Wenn später eine Bebaubarkeit entsteht, muss entsprechend nachveranlagt werden. Somit kommt letztlich ein weitestgehend akzeptierter Abwasserbeitrag von 4,50 DM/m² Nutzfläche zur Anwendung, der sich aus den geplanten Investitionskosten (abzüglich vereinnahmter Fördermittel) geteilt durch die gesamte errechnete Nutzfläche im Verbandsgebiet ergibt.
Anfang August erhalten wir die Mitteilung vom Landratsamt, dass wir ab 01.01.95 die Meldestelle für Königsbrück, Laußnitz, Neukirch und Schwepnitz mit einer Mitarbeiterin- Frau Ramona Häser – zu übernehmen haben. Bisher war die aus DDR-Zeiten zentralisierte Meldestelle noch in Kamenz etabliert.
Auch die Kreissiedlungsgesellschaft erhält einen neuen Geschäftsführer, wird aber in den nächsten Jahren abgewickelt.
Am 01.08.94 beginnt der Bau der Brücke auf der Kamenzer Straße im Zusammenhang mit der Weiterführung der Ortsumgehung. Es werden einige Umleitungen bis Jahresende notwendig.
Am 22.8. erfolgt die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates mit der Verpflichtung des Bürgermeisters und der Stadträte.
Am 25. 08. eröffnet das Autohaus Fritzsche seinen neuen Standort im Gewerbegebiet. Auch hier gab es vom „Wartburg" zum „Opel" eine neue Herausforderung zu meistern.
Für den 31.08. erhält der Bürgermeister aus dem Bundeskanzleramt eine Einladung zur Verabschiedung der in Deutschland auf DDR-Gebiet stationiert gewesenen GUS-bzw. WGT-Truppen (ehemals „Rote Armee" der Sowjetunion) im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin. Dieses historische Ereignis konnte ich mir nicht entgehen lassen und so fuhr ich nach Berlin..........und hatte zu hause meinen Fotoapparat vergessen mitzunehmen, was mich heute noch maßlos ärgert.
Neben Bundeskanzler Kohl und Boris Jelzin war alles versammelt, was Rang und Namen hatte. Von meinem Platz aus auf dem zweiten Rang direkt über dem Rednerpult hatte ich
einen guten Überblick und erspähte z.B. den russischen Schriftsteller Lew Kopeliew, der in einem Buch seinen Einmarsch in Ostpreußen (1944) als russischer Offizier mit allen schlimmen Folgen schildert , was ihn vor der Ära Gorbatschow zum Dissidenten gemacht hatte. Der Schriftsteller Heinrich Böll nahm Lew Kopeliew 1981 nach seiner Ausbürgerung aus der Sowjetunion bei sich auf. Sie hatten sich 20 Jahre vorher in Moskau kennengelernt und standen seitdem in regem Briefverkehr. Es sprachen Helmut Kohl, Boris Jelzin und der Regierende Bürgermeister von Berlin Walter Momper und alles war umrahmt von musikalischen Darbietungen des Berliner Sinfonieorchesters und eines Orchesters der russischen Föderation. Nach der Festveranstaltung wurden wir in Bussen nach Teltow zum russischen Ehrenmal gefahren. Der Zufall wollte es, dass ich neben dem Schriftsteller Erich Loest (+2013) zu sitzen kam. Er hatte u.a. das Buch „Nikolaikirche" geschrieben. Wir kamen ins Gespräch u.a. über seine Zeit im Stasiknast von Bautzen II, wo er über 7 Jahre unter schlimmen Bedingungen festgehalten worden war. Das muss bis zuletzt so nachhaltig in seinem Innersten eingebrannt gewesen sein, dass er nie wieder Bautzen sehen wollte. So stand er auch dem Bautzen-Kommitee nicht direkt als Zeitzeuge vor Ort zur Verfügung. Vor uns im Bus standen „einträchtig" Gregor Gysi, Walter Momper und Lothar de Maiziere, der letzte DDR-Ministerpräsident, und unterhielten sich angeregt. Auch Vera Lengsfeld (Bündnis90/Grüne -später CDU), die von ihrem eigenen Mann wegen ihrer oppositionellen Tätigkeit in der DDR bespitzelt worden war, stand in Teltow direkt vor mir. Irgendwann später muss sie auch mal Königsbrück einen Besuch abgestattet haben, denn eine Visitenkarte von ihr fand sich in meinem „Fundus".
Jelzin ließ den Rest seiner Truppen nochmals im Stechschritt paradieren, verbunden mit einer Kranzniederlegung, womit dann die Veranstaltung dem Ende zuging. Das war ein großer historischer Moment für uns Deutsche und natürlich auch nach fast 50 Jahren für uns Königsbrücker. Etwas anders wird es mancher russische Kriegsveteran gesehen haben.

September 1994

Am 05.09. fand eine Bürgerversammlung zum Weiterbau der Ortsumgehung mit dem damaligen sächsischen Umweltminister und heutigen Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz statt. Der Rathaussaal war sehr gut gefüllt. Der erste Bauabschnitt mit der Ausfahrt nach Kamenz war fertig und zur Nutzung frei gegeben.Nun ging es um den II. Bauabschnitt bis zur Einbindung Dresdner Str. Es gab wieder eine heiße Diskussion um alle möglichen Naturschutzbelange bis hin zu Schlupfwespen. Da stand der Biologielehrer ganzer Schülergenerationen, Hermann Oswald (+2013), auf und stellte die Frage in den Raum, „ob der Mensch auch zur Natur gehöre?" Betretenes Schweigen war die Folge. Letztlich wurde gebaut zum Segen unserer Bürger, die erst im vergangenen November wieder zeitweilig erfahren mussten, was es bedeutet, wenn es keine Ortsumgebung gäbe.
Auch erste Überlegungen zur weiteren Sanierung unserer Mittelschule werden diskutiert, wobei die Schwierigkeit darin besteht, genügend Fördermittel über das damalige Oberschulamt (heute Bildungsagentur!!) in Bautzen zu akquirieren. Da musste man sehr überzeugend auftreten, dass unsere Schule trotz des bestehenden Schulgesetzes Bestand haben wird. Inzwischen (2013) bewegt sich etwas im Freistaat bez. der jetzigen Oberschulen in ländlichen Gebieten. Scheinbar merkt man , dass man Schulschließungen aus fiskalischen Gründen übertrieben hat, da sie bisher lt. Schulgesetz nicht einzügig geführt werden dürfen.
Privatschulen, die die Folge der Schulschließungen waren, können Klassen mit 10 Schülern und weniger bilden. Wer mag das verstehen!?
Das Wahlmarathon 1994 ging weiter mit der Landtagswahl und der absoluten Mehrheit der CDU unter MP Prof. Biedenkopf. Henry Nitzsche erringt in unserem Wahlkreis ein Direktmandat für die CDU.
Am 15.09. erfolgt der „Startschuss" für den Anschluss von Königsbrück an das Erdgasnetz (bisher hatte nur das ehemalige Wärmegerätewerk - heute Gastro-Gerätebau - einen Erdgasanschluss).
Am 16./17.09. weilten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf Einladung von Bürgermeister Horst Häfner (+2010) in Weikersheim. Durch unseren Männerchor hatten wir damals freundschaftliche Bande geknüpft. Lars Mögel durfte dort seine Verwaltungs - ausbildung sehr erfolgreich abschließen. Es gab auch einen regen Austausch von Verwaltungsmitarbeitern. Leider schliefen die Kontakte mit der späteren Abwahl von Bürgermeister Häfner ein.

Oktober 1994

Im Oktober wird zwischen Neukirch und Königsbrück eine Verwaltungsvereinbarung im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft mit Laußnitz unterschrieben.
Anfang Oktober interessiert sich die Tiefbaufirma Benker aus den alten Bundesländern für das ehemalige NVA- Gelände auf dem Vorwerkberg in Röhrsdorf. Die Firma siedelt auch an und asphaltiert auf eigene Kosten die Zufahrt. Heute nutzt die Liegenschaft die Tierpension Waldeck .
Am 13.10. wird die sanierte Grafia-Passage im damaligen Restaurant „Elvis" ihrer neuen Bestimmung übergeben.
Am 16.10. gewinnt Helmut Kohl mit der CDU/CSU nochmals die Bundestagswahl.
Am 17.10. geht die neue Telecom-Relaisstation an der Ortsumgehung in Betrieb- eine wichtige Investition für unsere Stadt im Kommunikationszeitalter.
Es laufen auch erste Gespräche mit den Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr über die Beschaffung eines weiteren modernen Tanklöschfahrzeuges.
Am 21.10.feiern wir Richtfest auf unserer neuen Kläranlage. Vom zukünftigen Funktionsgebäude grüßt die Richtkrone. Es ist alles planmäßig verlaufen, auch die Zusage von 57% Fördermittel für den Bau der Kläranlage, die sich kostensenkend auf unsere Gebühr und den Beitrag auswirken. Durch die mögliche Nutzung eines vorhandenen gemauerten Kanals zur Pulsnitz sparen wir noch weitere 200TDM ein.
Am 24. 10. weilt unser Sozialminister Dr. Hans Geisler beim ASB im Schloss. Hier ging es um die Zukunft der Betreuungseinrichtung und damit die Zukunft des Schlosses. Nach der „Heimmindestbauverordnung" ist die Unterbringung der Patienten in den Schlossräumen viel zu teuer, weshalb sich der ASB etwas einfallen lassen muss, was letztlich zum Neubau am heutigen Standort führt. Leider wird das Heim nur für 60 Patienten ausgelegt, sodass 60 Patienten nach Bernsdorf in ein ebenfalls neues ASB-Heim am Schmelzteich umziehen müssen. Das war ein großer Aderlass an Einwohnern für unsere Stadt im Jahr 2001. Die Heizsysteme im Schloss wurden dennoch auf Gas- bzw. Ölheizung umgestellt.
Die Wiederentdeckung unserer drei 180 Jahre alten Kamelien im Gewächshaus lässt noch ein paar Jahre auf sich warten.

November 1994

Anfang November findet in Höckendorf eine Einwohnerversammlung zum Thema Abwasser statt. Höckendorf hatte sich noch als selbständige Gemeinde dem Abwasserverband in Ottendorf/Okrilla angeschlossen. Dort war ein „kostentreibendes" Planungsbüro am Werk, was Höckendorf zum Nachdenken brachte, trat später auch aus und schloss sich unserem Abwasserverband an. Bei den Höckendorfern ging die gleiche Kostenangst um wie anderswo auch. Wir hatten als Verbandsleitung alle Hände voll zu tun, die Wogen zu glätten und glaubwürdig unsere Planungen samt Kosten zu erläutern.
Letztlich ist die Erschließung von Höckendorf in relativ ruhigen Bahnen verlaufen, auch Dank des fachkundigen Einsatzes von R. Böhme und L. Mögel in Zusammenarbeit mit unserem Planungsbüro.
Am 04.11. wird das Autohaus Schreyer im Ottendorfer Gewerbegebiet eröffnet, worüber wir als Stadt nicht glücklich waren, aber Mercedes bestimmt, an welchen Orten die Vertragshändler anzusiedeln haben.
Im Rahmen des Vorstandes des Sächsischen Städte-und Gemeindetages wurde ich in den Arbeitskreis der deutschen Garnisonsstädte zur Mitarbeit delegiert. Es bahnten sich in ganz Deutschland gravierende Standortveränderungen der Bundeswehr an, was zu großen Verunsicherungen in den Städten und Gemeinden führte, denn die Bundeswehr war ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, der in vielen Standorten kompensiert werden musste.
Am 09.11. war ich erstmals bei einer Tagung in Berlin in Anwesenheit vom Konversionsbeauftragten der SPD Kolbow (MdB) dabei. Herrn Kolbow kannte ich bereits von seinem Besuch in unserer Stadt. Für unsere westlichen KollegInnen gab es schon Aha-Effekte, wenn wir Ostdeutschen von unseren „Hinterlassenschaften" und den mäßigen Aussichten für eine Vermarktung dieser Flächen berichtet haben. Der Bürgermeister von Zweibrücken meinte mal zu mir: „Wenn ich das höre, haben wir ja gar keine Probleme!"
Am 19.11. ist bereits Richtfest der beiden Gebäude Markt 2+4.
Am Totensonntag wird im Rahmen eines Gottesdienstes die Hospitalkirche nach ihrer Sanierung wieder geöffnet.

Dezember 1994

Am 02.12. wird unser „Hufenbürgermeister" Heinz Schätz zu Grabe getragen.
Am 07.12 ruft Frau Biedenkopf beim Bürgermeister an und verkündet, dass sie aus ihrem gefüllten Spendentopf 1000 DM unserem Kindertanzensemble überweisen wird. Das war eine nachträgliche Nikolausüberraschung.
Im Dezember schließen wir auch notariell den Erbbaurechtsvertrag über den LIDL (jetzt NKD) – Parkplatz mit Herrn Kindermann ab. In der Zwischenzeit war der Bau des LIDL-Marktes vollendet. Seit 2009 befindet er sich nun am 3. Standort!! ?????????
Am 19.12. kommt es zu einer weiteren Beratung über die Linienführung der 2. Teilstrecke unserer lang ersehnten Ortsumgehung.
Wie Sie aus den Berichten entnehmen können, haben speziell die Mitarbeiter des Bauamts unter Leitung von Günter Driesnack und des Abwasserverbandes unter Leitung von Reiner Böhme, aber auch die Kämmerei unter Leitung von Gudrun Kreische unglaublich viel leisten müssen, denn all die Aktivitäten vom geordneten Abriss über Finanzierungsfragen bis zum Neubau mussten mit den Firmen, aber auch mit unseren Bürgern koordiniert werden. Natürlich hatten auch der Stadtrat und die Verbandsversammlung des AWV reichlich als Kontrollorgan der Verwaltung zu tun.
Erwähnt soll auch noch werden, dass wir nach Klärung der Eigentumsfragen einige bebaute Grundstücke im Laufe des Jahres an u.a. Bürger unserer Stadt verkaufen konnten, was Investitionen ausgelöst hat und die Stadt die Verkaufserlöse als Eigenanteile für Investitionen bereitstellen konnte.

Das war das ereignisreiche und Weichen für die Zukunft stellende Jahr 1994.